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Boris Blahak

Konstruktion einer ,Idealnorm‘


Max Brods sprachlich-exklusive Stilisierung des Prager Kreises



1. Sprachliche Auffälligkeit als Prager jüdisch-deutsches Stigma


Am 7. April 1920 berichtete Franz Kafka aus seinem Kurort Meran Max Brod in einem Brief von einem Gespräch mit zwei in seiner Unterkunft logierenden österreichischen Offizieren:

Nach den ersten Worten kam hervor, daß ich aus Prag bin, beide, der General [...] und der Oberst kannten Prag. Ein Tscheche? Nein. Erkläre nun in diese treuen deutschen militärischen Augen, was Du eigentlich bist. Irgendwer sagt: „Deutschböhme“, ein anderer „Kleinseite“[.] Dann legt sich das Ganze und man ißt weiter, aber der General mit seinem scharfen, im österreichischen Heer philologisch geschulten Ohr ist nicht zufrieden, nach dem Essen fängt er wieder den Klang meines Deutsch zu bezweifeln an, vielleicht zweifelt übrigens mehr das Auge als das Ohr. Nun kann ich das mit meinem Judentum zu erklären versuchen. Wissenschaftlich ist er jetzt zwar zufriedengestellt, aber menschlich nicht (Kafka 2013: 117-118).

Die hier geschilderte sprachliche ,Entlarvung‘ dürfte Kafka nicht kalt gelassen haben; denn schon drei Tage zuvor war sein Deutsch seiner Zimmerwirtin als „Prager Deutsch“ (Kafka 2013: 115) aufgefallen. Die Zuordnungen, die Kafka nach Nennung seines Herkunftsortes erfuhr, stellen dabei Facetten eines bereits zum Stereotyp verfestigten Bildes dar, das um 1920 außerhalb Böhmens von der formalen Gestalt des in Prag gesprochenen Deutsch verbreitet gewesen sein muss. In diesem Zusammenhang haben die Schlagwörter „Tscheche“, „Kleinseite“, „Prager Deutsch“ und „Deutschböhme“ v.a. eine sozi(olekt)ale Komponente gemeinsam: Sie verorten den durch sie Bezeichneten in gesellschaftlichen Gruppen, welchen man ein Deutsch nachsagte, das in abgestuftem Ausmaß von tschechischen Sprachmustern überlagert sei.

Indem Kafka sich in dieser für ihn unbehaglichen Situation als Jude ,outete‘, eröffnete er der ,treu deutschen‘ Tischgesellschaft wissentlich ein ganz anderes Assoziationsspektrum: Vor dem Hintergrund des Sprache-Nation-Begriffs des 19. Jh. wurde Juden von antisemitischen Kreisen unterstellt, sie seien, da sie sich ,geliehener‘ Sprachen bedienten, unfähig, diese authentisch zu verwenden.1 Die notgedrungene Bereitschaft Kafkas, seine artikulatorische Auffälligkeit lieber mit seiner jüdischen Herkunft als mit den tschechischen Interferenzen im Deutsch gewisser sozialer Gruppen Böhmens assoziiert zu sehen, gibt zu denken; es stellt sich die Frage, ob hierdurch ein in jedem Fall abzuwehrendes Stigma durch ein als ,schwächer‘ empfundenes anderes entkräftet werden sollte.

Mit Blick auf das exklusive Bild, das andere Mitglieder des Prager Kreises v.a. in der Rückschau von der eigenen Gruppen- und Literatursprache Deutsch verbreiteten, scheint die Kafka bescheinigte sprachliche Auffälligkeit zu Widersprüchen zu führen. Um diesen auf den Grund zu gehen, sollen zunächst die kollektiven Sprachattitüden in Kafkas sozialer Gruppe im Kontext ihrer sprachsoziologischen Bedingungen skizziert werden. Um den Realitäts- bzw. Fiktionsgrad dieser Selbststilisierung zu bestimmen, wird folgend ein Blick auf Max Brods normalisierende Texteingriffe in seiner postumen Kafka-Ausgabe geworfen, besonders im Hinblick auf mutmaßliche Bohemismen. Dabei soll überprüft werden, inwieweit Brod gezielt Formen tilgte, die er oder andere Prager Autoren in ihrer Prosa womöglich selbst verwendeten, inwieweit Kafkas Schriften insofern ex post zur Untermauerung eines konstruierten Autostereotyps dienen konnten und sollten.



2. Sprachattitüden im Prager Kreis und in seinem Umfeld


Die Etikettierungen, mit welchen Kafka in Meran belegt wurde, lassen sich auf August Schleicher (1851) zurückführen, der als erster Bohemismen beschrieben hatte, die in das böhmische Deutsch eingedrungen seien. Als einziger zu Kafkas Lebzeiten verfasste Augustin Ritschel eine wissenschaftliche Studie zum so genannten ,Prager Deutsch‘, das er niedrigen sozialen Schichten zuordnete, „deren muttersprache čechisch war, oder [...] die von kindesbeinen an neben der čechischen sprache nur ein vom čechischen lautlich beeinflußtes deutsch sprechen hörten“ (Ritschel 1893: 129). Pavel Eisner (1946: 490) fasste seine Geringschätzung für dieses „kuchldajč“ mit den Worten „místní jazykový zmetek, zrozený ze špatného vzdělání a mizernějšího smýšlení“ [örtlicher sprachlicher Bastard, hervorgegangen aus schlechter Bildung und einer noch erbärmlicheren Gesinnung] in ein prägnantes Bild.

Kafkas abwehrende Reaktion in Meran überrascht kaum mehr, wirft man einen Blick auf die in seinem Umfeld verbreiteten Attitüden gegenüber dem ,Prager Deutsch‘, denn diese sahen kaum anders aus: Egon Erwin Kisch (1917: 4) etwa sprach von einem „deutsch-tschechische[n] Kauderwelsch, das keine Sprache, sondern eben Prager Deutsch ist.“ Ebenfalls reserviert äußerte Max Brod (1960: 219), das ,Prager Deutsch‘ werde „von Tschechen, die sich deutsch ausdrücken wollten, gesprochen […], kaum aber von Deutschen.“ Und noch Heinz Politzer (1950: 280) verstand darunter „jenen Prager Jargon“, der „von der slavischen, czechischen Nachbarschaft […] reichlich getönt ist.“ Auch die Zuordnung „Deutschböhme“, die Kafka erfuhr, konnte einen kontaktsprachlich ,belasteten‘ Sprecher bezeichnen: Denn laut Fritz Mauthner (1918: 51) stellten sich die Deutschen in Inneren Böhmens „auf die slawische Aussprache“ ein. Einen, „etwas fühlbareren tschechischen Akzent“ sagte ihnen auch Johannes Urzidil (1966: 79) nach.

Die auffällige Distanzierung von dem als ,Prager Deutsch‘ bezeichneten Idiom wirft ein Schlaglicht auf das Selbstverständnis der Gruppe, der sich Kafka zurechnete. Sie scheint durch das Bewusstsein geprägt, sich als Minorität in einer verschärften sprachsoziologischen Konstellation positionieren zu müssen, in der Schichtzugehörigkeit und Sprache Parameter der Gruppenidentität und -exklusivität bildeten: Durch einen hauptsächlich tschechischen Zuzug während der Industrialisierung, durch Abwanderung von der deutschen zur tschechischen Sprachgemeinschaft und durch eine höhere natürliche Wachstumsrate der tschechischen Bevölkerung waren die deutschsprachigen Bewohner Prags im Laufe des 19. Jh. zur Minderheit geworden. Um 1900 machte diese nur noch 7,7 % der städtischen Population aus, wobei sie zu fast 40 % jüdischer Herkunft war. Soziale und wirtschaftliche Faktoren trugen zur Abgrenzung von der tschechischen Mehrheit bei. So gehörten etwa 70 % der deutschsprachigen Prager, darunter die Familie Kafka, dem Besitz- und Bildungsbürgertum an. Demgegenüber stellten fast 50 % der tschechischsprachigen Stadtbewohner Arbeiter und Tagelöhner (vgl. Cohen 1981: 92-93, 100-107; 1996: 57-61).

Angesichts dieser Situation wurde in derselben Schicht, konträr zur Abqualifizierung des ,Prager Deutsch‘, das Autostereotyp der Dialektfreiheit und vorbildlichen ,Reinheit‘ des muttersprachlichen Deutsch in Prag beschworen. Die Radikalität, mit der Kisch gegen die unter bilingualen Pragern verbreiteten Bohemismen polemisierte, ist bezeichnend für diese Tendenz: „Die Schule kann nichts ändern, wenn nicht zuhause von Kindheit an die Heiligkeit der Sprache hochgehalten wird“ (Kisch 1917: 4). Auch Brod wurde zum Gewährsmann für das kollektive Wissen der deutsch-jüdischen Prager Bildungsschicht von den Auswirkungen des deutsch-tschechischen Sprachen-Kontakts auf die eigene Gruppensprache, als er die Schriftsteller seines Umfeldes zu Exponenten der angeblich puristisch ausgeformten Hochsprache deutscher Muttersprachler in Prag stilisierte:

Abwegig dagegen ist es, das sogenannte „Prager Deutsch“ mit dem Schrifttum der Autoren, die in Prag gelebt haben, in einen künstlichen Zusammenhang zu bringen. […]. In den deutschsprechenden Schichten Prags, die deutsche Schulen besucht hatten, wurden jene Anklänge an das Tschechische […] immer strengstens als grobe Fehler, als „Pragismen“ oder „Tschechismen“ verfolgt und ausgemerzt, ja sogar noch besonders empfindlich verlacht. [S]o muss man wissen, daß es nie einem gebildeten Deutsch-Prager eingefallen wäre, sich eines solchen „Angleichens an die Sprache der Nachbarn“ schuldig zu machen (Brod 1960: 219-220).

Wenn Kisch die ,Reinheit‘ der Muttersprache ins Sakrale erhebt und Brod die Übernahme tschechischer Sprachmuster als ,Sündenfall‘ gegenüber der eigenen Sprachgemeinschaft geißelt, lässt sich ihre Einstellung als Produkt bürgerlich-sprachpuristischer Erziehung des 19. Jh. identifizieren, bei der die Sprache zum zentralen Formelement bürgerlicher Kultur geraten war. Ihr enges Verhältnis zur Bildung erhielt einen regelrechten Topos-Charakter. Dabei kam der Opposition ,richtig – falsch‘ eine besondere Bedeutung zu (vgl. Linke 1996: 232-235).

Am deutlichsten lassen Stellungnahmen Johannes Urzidils erahnen, was sich hinter der fortwährenden exklusiven Stilisierung der eigenen Gruppensprache verbarg:

Wir Prager deutschen Dichter schrieben (und schreiben noch) unsere Bücher in der gleichen Sprache, die die Sprache unseres lebendigen Tagesgebrauchs war und ist. Zwischen Schrift-Deutsch und Sprech-Deutsch gab und gibt es bei uns keinen Bruch (Urzidil 1965: 18).

Brüsk wies er die Behauptung zurück, er sei ein „deutschschreibender Tscheche“. Im Gegenteil sei das Idiom des Prager Kreises nichts Geringeres als

das reine und unversetzte Hochdeutsch. Es ist die deutsche Sprache. Wenn wir uns zum Schreiben niedersetzen, müssen wir nicht erst aus einem tagsüber im Leben und Treiben gebrauchten Dialekt zu einem besonderen andersartigen Deutsch umschalten. Dies vielleicht unterscheidet uns von den meisten anderen deutschen Autoren. […] Wenn wir keine deutschen Autoren mehr sind, dann ist es niemand (Urzidil 1972: 207-209).

Exemplarisch deckt Urzidils emotionales Statement auf, dass man sich im Prager Kreis dagegen verwahren zu müssen glaubte, als jüdische Schriftsteller, die das Deutsche als Zweitsprache benutzten, oder als Tschechen zu gelten und sich nachsagen lassen zu müssen, ein Deutsch mit erstsprachlichen Interferenzen zu verwenden. Dem lag augenscheinlich der latente eigene Verdacht zugrunde, sich in Prag im Laufe der muttersprachlichen Sozialisierung womöglich tatsächlich ein Idiom angeeignet zu haben, das aus Sicht der schulisch propagierten Klassiker-Sprache Mängel aufwies: durch den alltäglichen Kontakt mit der Mehrheitssprache Tschechisch, die den öffentlichen Raum dominierte, bzw. mit dem ,fehlerhaften‘ Deutsch, auf das man in Form sozial bedingter Misch-Varietäten auf der Kleinseite in höchster Intensität traf. Damit schloss sich im Geiste der Kreis zu den aus Sicht der Hochsprache defizitären „Stigma-Soziolekten“ (Steinig 1980: 107) des ,Prager Deutsch‘, deren Verwendung man daher umso hartnäckiger bestritt. Das Autostereotyp der sprachlichen Makellosigkeit steht mithin nicht im Widerspruch, sondern in ursächlicher Beziehung zu den Sprachen-Kontakt-Phänomenen im ,Prager Deutsch‘, indem es einem Bewusstsein ihrer Alltagspräsenz Ausdruck verleiht. Aus literatursoziologischer wie soziolinguistischer Sicht handelte es sich also um eine kollektive Wunsch-Projektion (vgl. Binder 1996: 208-209).

Brod erinnerte sich allerdings schließlich doch daran, dass Kafka sich einer latenten Anfälligkeit für „gewiss[e] in Prag üblich[e] Sprachfehle[r]“ bewusst gewesen sei. Zudem räumte er, wenn auch sichtlich unter dem Anschein der Beiläufigkeit, ein:

Vereinzelte Fehler aus Unachtsamkeit mögen natürlich unter dem Einfluß der tschechischen Umwelt in der deutschen Umgangssprache und im deutschen Schrifttum Prags in ganz seltenen Ausnahmefällen trotzdem vorgekommen sein. Es sind dies beispielsweise jene wenigen Sprachunrichtigkeiten in den Manuskripten Kafkas, die ich bei der Drucklegung richtiggestellt habe (Brod 1969: 150) [Herv. d. Verf.].

Brod konnte dabei kaum verhehlen, dass er dieses Eingeständnis nur notgedrungen machte, um seine seit Friedrich Beißner (1952) zunehmend kritisierte Editionspraxis der postumen Schriften Kafkas zu rechtfertigen. Denn sein Bemühen, Kafkas sprachliche Anomalien aus einer zeitlichen Distanz von über vier Jahrzehnten zu bagatellisieren, ist unübersehbar.

Letztlich dürfte auch Kafka die Sprachattitüden Urzidils und Brods geteilt haben. Bedenkt man sein existenzielles Verhältnis zu seinem Schriftstellertum2 und sein akribisches, sprachpuristisches,3 am ,reichsdeutschen‘ Standard orientiertes4 Korrekturverhalten, wenn eine Publikation anstand, so ist vorstellbar, dass ihre Annahme bei ihm unterschwelligen Befürchtungen, sprachlich aufzufallen, Vorschub leistete. So deutete Kafka auch gelegentlich gegenüber Freunden an, er schließe nicht aus, dass ethnolektale5 Relikte des Jiddischen in seinem Deutsch verblieben seien: Im Zuge der freundschaftlichen Kritik an Max Brods Übersetzung von Janáčeks Jenufa-Libretto stellte er etwa die (rhetorische) Frage: „Ist das nicht Deutsch, das wir von unsern undeutschen Müttern noch im Ohre haben?“ (Kafka 2005: 343). Als er Milena Jesenskás Übertragung seiner Erzählung Der Kaufmann ins Tschechische kommentierte, schrieb er der Abtönungspartikel ,nur‘ in der Wendung ,verfolget nur‘ semantisch eine spezifisch jüdische adhortative Verwendung zu (vgl. Binder 21982: 70): „[P]ronásledujte jen ich weiß nicht, ob ,nur‘ hier ,jen‘ ist, dieses ,nur‘ ist nämlich nur ein prager-jüdisches nur, bedeutet eine Aufforderung, etwa ,ihr könnt es ruhig machen‘“ (Kafka 2013: 359). Diese Bekenntnisse, die nie ganz den spielerischen Ton literarischer Selbstinszenierung verlieren, werden durch Zeugnisse Max Brods,6 Johannes Urzidils7 und Gustav Janouchs8 ergänzt, die, wenn auch verhalten, auf tschechische Anklänge in Kafkas Deutsch anspielen.

Vor diesem psychologischen Hintergrund ist der Topos der Exophonie,9 der sprachlichen Auffälligkeit in Kafkas Werk zu deuten. Er scheint ein psychologisch belastetes Verhältnis zwischen Autor und potenzieller Leserschaft zu reflektieren. In den Varianten zur Erzählung Beim Bau der chinesischen Mauer findet sich hierzu die deutlichste Referenz auf den Schriftsteller:

Und nun wurde einmal ein Flugblatt der Aufständischen durch einen Bettler, der jene Provinz durchreist hatte, in das Haus meines Vaters gebracht. Es war gerade ein Feiertag, Gäste füllten unsere Stube, in der Mitte sass der Priester und studierte das Blatt. Plötzlich fing alles zu lachen an, das Blatt wurde im Gedränge zerissen, […] alles zerstreute sich und lief in den schönen Tag. Warum? Der Dialekt der Nachbarprovinz ist von dem unsern wesentlich verschieden und dies drückt sich auch in gewissen Formen der Schriftsprache aus, die für uns einen etwas altertümlichen Charakter haben. Kaum hatte nun der Priester 2 derartige Sätze gelesen, war man schon entschieden. […] Und trotzdem […] aus dem Bettler das grauenhafte Leben unwiderleglich sprach, schüttelte man lachend den Kopf und wollte nichts mehr hören (Kafka 1993: 298-299).10

Mithin umgeben topographisch bedingte sprachliche Sonderformen das Geschriebene, mag es an sich auch von ernstem Charakter sein, mit der Aura des Lächerlichen. Die öffentliche Nichtbeachtung eines derartigen Schrifttums durch die endophone Leserschaft verweist parabolisch auf die Aussichten einer regionalsprachlich markierten Literatur zu Kafkas Zeit. In diesem Kontext ist die bei Kafka offenbar latent vorhandene Bangigkeit, sprachlich aufzufallen, zu deuten: Sie war mehr als das Gefühl, stigmatisiert zu sein; sie betraf sein Selbstverständnis als Autor mit überregionalen Publikationsambitionen, als Angst, aufgrund einer durch den Prager Multilingualismus bedingten sprachlichen Andersartigkeit für die Mehrheit seiner Sprachgemeinschaft ,unlesbar‘ zu sein.



3. Brods sprachlich-exklusive Stilisierung Kafkas und ihre Funktion im Kontext der Selbstdarstellung des Prager Kreises


Vor diesem Hintergrund ist Brods Stilisierung Kafkas zum Autor einer Literatursprache ohne regionale Anklänge zu betrachten. Brod selbst gab zu, nicht als Philologe an der Textedition gearbeitet zu haben. Da die Erfolgsaussichten die Einrichtung von Kafkas Prosa bestimmten, war er bestrebt, alles zu entfernen, was die Lesbarkeit außerhalb Prags erschweren konnte. Sein Vorgehen rechtfertigte er mit dem Entwurfscharakter der Manuskripte. So seien „Flüchtigkeitsfehler stehen geblieben, die er [Kafka], wenn er das Buch selber ediert hätte, bei seiner großen Gewissenhaftigkeit gewiß verbessert hätte“ (Brod 1974: 352). Brod stilisierte sich als exklusiven Kenner eines hypothetischen Editionsplanes (vgl. Brod 31954: 300; 1965: 320) und attestierte sich ein umfassendes Einfühlungsvermögen in Kafkas Arbeitsweise, die er aus „intimster Zusammenarbeit“ und „zwanzigjähriger Vertrautheit“ (Brod 1974: 350, 352) genau kenne.

Seine Versicherung, er habe im Text „selbstverständlich nichts geändert“ und nur „einige kleine Versehen berichtigt“ (Brod 1965: 323), hat sich mit Blick auf seine Textedition allerdings als Unwahrheit bzw. untertreibende Beschönigung erwiesen: Brod griff, letztlich autoritär, auf allen sprachlichen Ebenen in die Textkörper ein, strich Textteile oder druckte vom Autor verworfene Passagen ab, stellte um, ersetzte, tilgte einzelne Wörter oder fügte neue hinzu, griff in Satzbau, Absatzeinteilung, Interpunktion und Orthographie ein. Insofern tritt Brod überall in gewisser Weise als ,Koautor‘ auf (vgl. Dietz 1963: 452; 1979: 11; Steinich 2008: 140-141). Neben der Maximierung einer künftigen Kafka-Rezeption konnte diese Textedition aber zugleich auch ex post den Beleg schlechthin für die Gültigkeit des gruppenspezifischen Autostereotyps darstellen, zumal Kafka die größten überregionalen Erfolgsaussichten unter den Autoren des Prager Kreises zu haben schien und postum im Sinne der eigenen sprachlich-exklusiven Selbststilisierung zum Musterexempel geformt werden konnte.



4. Brods Textedition vor dem Hintergrund seiner eigenen literarischen Sprachverwendung


Konfrontiert man Brods Vorgehensweise mit seiner eigenen literarischen Sprachverwendung, so wird deutlich, dass er laufend Formen in Kafkas Autograph verbesserte oder tilgte, die sich in seiner eigenen Prosa durchaus nachweisen lassen, die ihm aber nun nicht mehr hochsprachlich genug erschienen, um sie, angesichts seines beschriebenen Editionszieles, in Kafkas Prosa zu tolerieren. Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man Kafkas literarische Schriften in der Textgestalt der Kritischen Kafka-Ausgabe11 mit der Version vergleicht, die Max Brod der Öffentlichkeit präsentierte. Als Kontrollkorpora zum schriftlichen Sprachgebrauch in Prag um 1920 dienen im Rahmen dieses Vergleichs Max Brods Roman Jüdinnen (1911), Otto Picks Novellensammlung Die Probe (1913), Egon Erwin Kischs Roman Der Mädchenhirt (51922) sowie Ausgaben der Prager Presse (PP 1921a-c) und des Prager Tagblatts (PT 1921) aus dem Jahre 1921.



4.1 Normalisierung im Prager Kreis schriftsprachlich gängiger Formen


Brods Editionsrichtlinien lassen sich bereits aus kleinen Details der graphematischen Umsetzung antizipieren: Zu den seltenen Belegen fiktiver Mündlichkeit in Kafkas Prosa gehören enklitische Formen wie

hörts (S.281/12), gehts (N2v.56/2), mags (S.309/10), taugts (S.408/4), wirds (V.242/20), ists (V.298/14-15), hats (N1.330/25), Gibs (N2.530/14), seis (N2v.377/12), wenns (S.286/6), mans (S.475/19), ichs (N1.424/7), Dus (N2.526/12), wirs (N1.353/27), wers (N1.352/13).

Brod akzeptierte sie zwar, fügte jedoch (von Kafka meist nicht gesetzte) Auslassungsapostrophe ein,12 obwohl er (wie andere Prager deutschsprachige Autoren) in seiner eigenen Prosa häufig selbst darauf verzichtete.13 Genauso hyperpenibel verfuhr Brod, wenn in wörtlicher Rede das Flexions-Suffix -e beim Verb in der 1. Pers. Sg. Indikativ Präsens fehlte. Entsprechende Stellen lauten in Kafkas Manuskripten u. a.:

wünsch ich (V.176/13), spring ich (V.215/11), versteh ich (V.293/7), ich glaub es (V.306/17), ich tu es (V.357/12), ich wasch mich (V.357/6-7), ich spür nichts (V.358/26), geh ich (N1e.107/5), Ich bewunder (Se.102/17), taug ich (V.14/4), sag ich’s (N1.166/9), seh ich (N2.111/7), ich hab (N2.153/10), {näher ich mich} (N2v.602/16).

Auch e-Elisionen im Auslaut von Substantiven in wörtlicher und erzählter Rede hob Brod auf, etwa in Nebensach (Pe.127/5), Violin (Dv.183/ 17), Tasch (Ve.41/8) und Geschicht (Pe.300/10) – Formen, wie sie Brod zumindest in direkter Rede,14 Kisch sogar in der Erzählhandlung seiner Prosa verwendete.15

Ähnlich ging Brod mit der für Kafkas Schriftdeutsch charakteristischen Ellipse von Auxiliar-Verben um,16 die in Passiv- und Perfekt-Konstruktionen im Nebensatz oder bei Lokaladverbien, Substantiven und prädikativ gebrauchten Adjektiven auftritt:

denen es nicht mehr verwehrt ›war‹, stehen zu bleiben (N2e.396/16), [dass ich selbst gekommen ›bin‹.] (Dv.37/14-15(1)), daß er von Anfang an alles durchschaut ›hatte‹ (Ve.241/24), daß ich hübsch gekleidet ›sei‹ (N1e.163/2), dass ich gleich in völliger Finsternis ›bin‹ (N2e.528/8-9), da es ein schwarzer Anzug ›war‹ (Ve.100/15-16).

Vergleichbare elliptische Konstruktionen finden sich aber nicht nur in der Prosa Otto Picks und Egon Erwin Kischs sowie in der Prager Tagespresse – Brod verwendete sie selbst:

Namen, die allen übrigen fremd ›waren‹ (Brod 1911: 182), in der Kleinstadt, die er verlassen ›hatte‹ (Pick 1913: 59), Mädchen, die er zu der Kupplerin gebracht ›hatte‹ – der so stolz auf seinen Titel als „Zuhälter“ gewesen ›war‹ (Kisch 51922: 101, 176), sobald der Laternenanzünder vorbei ›war‹ (PP 1921c: 10), was er erfahren ›hatte‹ (PT 1921: 2).

Auch das als Austriazismus geltende Fugen-s, das Kafka, wie in Fabrikskartelle (V.66/5), Ausnahmsfall (N2.467/13) oder Aufnahmsfähigkeit (S.174/15), häufig bei der Substantiv-Komposition verwendete, tilgte Brod durchgängig. Doch kommen vergleichbare Komposita nicht nur in den zeitgenössischen Prager Printmedien17 vor: Bei Pick (1913: 51) findet sich etwa Heimatsdorfe, bei Kisch (51922: 132) Mietsbetrag und bei Brod (1911: 234) Fabriksvorstadt.

Fehlende obligatorische Personalpronomen der 2. Pers. Sg. sanktionierte Brod ebenfalls negativ und trug sie nach:18

Auch könntest ›Du‹, wenn es Dir bei uns besser gefällt, hier übernachten (Se.52/10-11), [›Du‹ Hast wohl ein ganzes Zimmer voll […]] (Sv.450/5(1)), Was kümmerst ›Du‹ Dich? (Ve.382/6-7), ›Du‹ Musst nicht weinen (N1v.270/3-6(1)75*), warum machst ›Du‹ den andern ihre Schweigsamkeit zum Vorwurf (N2e.443/6-7).

Dass Kafka diese Form bairisch-ostfränkischer Verbalflexion bewusst zur Erzeugung fiktiver Mündlichkeit einsetzte, lässt sich daraus schließen, dass er sie nur in wörtlicher Rede verwendete und nur ausnahmsweise nachträglich ergänzte. Brod duldete die du-Ellipse in Kafkas Schriften dennoch nicht, obwohl sie sich in wörtlicher Rede in seiner eigenen Prosa durchaus nachweisen lässt: Hast ›du‹ dich tüchtig ausspaziert? (Brod 1911: 27). Kafkas Prosa gestand er sie gleichwohl nicht zu. Hier wird ersichtlich, dass Brod an Kafkas literarisches Deutsch strengere Maßstäbe anlegte als an sein eigenes und als sie für das Schriftdeutsche in seinem Prager Umfeld üblich waren.



4.2 Der Umgang mit (mutmaßlichen) Bohemismen


Angesichts des beschriebenen sprachlichen Autostereotyps beseitigte Brod Formen, die Parallelen zum Tschechischen aufwiesen und insofern als Bohemismen gelten konnten, naturgemäß mit besonderer Rigorosität. Wo z. B. die Ellipse definiter und indefiniter Artikel in Kafkas Manuskripten der Norm scheinbar zuwider lief, hob Brod sie ausnahmslos auf:19

die er in ›der‹ Hand hielt (Pe.13/25), bei ›der‹ Tür (Pe.70/12), blickte er zu›r‹ Uhr auf (Pv.171/8-9), blickte er ›ein‹ wenig erschreckt über die Schulter hinweg (Pe.176/6-7), ›Das‹ Urteil kommt nicht mit einemmal (Pe.289/19), [auf ›die‹ Ofenbank] (Sv.53/7,78*), Für›s‹ Frisieren hat sie eine besondere Anlage (S.467/16-17), auf ›ein‹ {grosses} Automobil zu (Vv.254/1), ein Kind in›‹ Kinderwagen (Ve.390/19), durch›s‹ ganze Treppenhaus (Dv.139/26).

Dass diese ,sparsame Artikelverwendung‘, die schon Schleicher (1851: 40) in Böhmen aufgefallen war, allerdings ein (normkonformes) gruppenspezifisches Phänomen der deutschsprachigen Prager war, zeigen vergleichbare Belegstellen in der Prager Tagespresse – und nicht zuletzt in der Prosa Otto Picks und Max Brods:

in ›der‹ Steiermark (PT 1921: 15), gegen ›ein‹ verbohrtes Schulsystem (PP 1921a: 6), von›‹ ersten bis zum letzten Buchstaben (Pick 1913: 31), was ›das‹ Zeug hält (Brod 1911: 107).

Wo fehlende Personalpronomen der 3. Pers. Sg. Neutrum an tschechische Sprachmuster erinnerten, glaubte Brod ebenfalls, eingreifen zu müssen:20 Denn häufig fehlt in Kafkas Manuskript ein nicht referenzielles es in unpersönlichen Konstruktionen vom Typ es ist kalt, spät, fünf Uhr etc., die Übereinstimmung mit tschechischen Äquivalenten (je zima, pozdě, pět hodin etc.) aufweisen, die ohne Pronomen auskommen:

draußen ist ›es‹ zu kalt (Se.98/25), Ist ›es‹ nicht aber schon zu spät? (V.116/1-2), Jetzt ist ›es‹ viertel zwölf (V.113/2-3), dann ist ›es‹ gut (V.13/10-11), Dann ist ›es aber höchste Zeit (V.118/11), Da ist ›es‹ schon besser (V.220/7-8), Jetzt ist ›es‹ aber genug (V.266/4), auf dem Korridor ist ›es‹ finster (N2.633/1-2).

Allerdings legte Brod den Figuren seiner eigenen Romane eben solche Konstruktionen zur Erzeugung fiktiver Mündlichkeit in den Mund: und gut ist ›es‹ Hübsch kühl ist ›es‹ da (Brod 1911: 196, 239). Nämliches schloss er für die wörtliche Rede in Kafkas Prosa gleichwohl aus.

Wie ,ideologisch‘ Brod angesichts mutmaßlicher Bohemismen in Kafkas Texten als Herausgeber z. T. agierte, illustriert plastisch sein Umgang mit der indefiniten Numerale paar, die von Kafka meist mit dem Nullartikel (Ø + paar + Substantiv (Pl.)) verwendet wurde:

Also kommen Sie auf paar Minuten auf mein Zimmer (P.39/25-26), Fräulein Montag folgte ihm paar Schritte (P.323/24-25), An der Wand paar Heiligenbilder (S.41/8), er schloß paar Sekunden lang die Augen (S.84/4), Nur paar kurze Fragen (S.176/13), sondern seitlich paar Stufen abwärts (S.391/12), Kaum waren sie paar Meter vom Schiff entfernt (V.52/27), Ich möchte zuerst paar Worte mit dem Roßmann reden (V.238/14-15), öffnete oben am Hals paar Knöpfe (V.292/18).

Hierbei handelte es sich um eine in Prag geläufige und, da z.B. in Siebenschein (1944: 133) nachweisbar, auch standardsprachliche Form, aus Brods Sicht allerdings um einen der „,Pragismen‘, die eine Beeinflussung des deutschen Stils durch die tschechische Syntax darstellen“, einen stigmatisierenden ,Schibboleth‘, den es lückenlos zu beseitigen galt. So behauptete er: „Dort aber, wo er [Kafka] selbst seine Manuskripte zum Druck befördert hat, hat er regelmäßig diesen Fehler verbessert; man wird ihn in keinem der von Kafka selbst veröffentlichten Werke finden“ (Brod 31954: 300-301). Dies entsprach nicht der Wahrheit: Denn zum einen gelangte das artikellose paar in Kafkas Frühwerk Betrachtung durchaus in den Druck (D.9/16). Zum anderen lassen sich überhaupt nur drei Fälle (V.89/17-18; N1.122/2-3; D.126/3) nachweisen, in welchen Kafka paar nachträglich durch den Artikel ergänzte. Von einem latenten Fehlerbewusstsein Kafkas kann insofern nicht die Rede sein. Auch zeigt die Druckgeschichte der Verwandlung und des Hungerkünstler-Bandes, dass Kafka Anpassungen an die reichsdeutsche Norm durch seine Leipziger (Kurt Wolff) und Berliner Verlage (Die Schmiede) zwar hinnahm,21 sich in seiner Normauffassung aber nicht weiter beeinflussen ließ – im Gegenteil: In der zweiten Hälfte seiner Schaffensperiode nahm die Verwendungshäufigkeit von bloßem paar gegenüber der Variante ein paar bis zur Ausschließlichkeit zu (vgl. Blahak 2011: 33-34). Dass Brod hier zu weit ging, lässt sich ferner daran ablesen, dass er das bewusste paar in Kafkas Schriften auch in wörtlicher Rede um den Artikel ergänzte, obwohl es nicht nur Otto Pick und Egon Erwin Kisch, sondern eben auch er selbst literarisch zur Fingierung konzeptueller Mündlichkeit verwendet hatten:

erst paar Tage, paar Zeilen, paar Zeitschriften, paar Menschen, paar Zeilen (Pick 1913: 43, 44, 45, 73), für paar Minuten, Für lumpige paar Kronen (Kisch 51922: 217, 222), in so paar Seiten (Brod 1911: 265).

Angesichts der offensichtlichen Hypersensibilität Brods gegenüber Bohemismen überrascht es, dass ihm ein Phänomen in Kafkas Prosa entging, das dem deutsch-tschechischen Sprachen-Kontakt in Prag offensichtlich geschuldet ist: Kafka schwankte in Wendungen, deren tschechische Äquivalente mit der Präposition na gebildet werden zwischen an und auf,22 wobei jeweils nur eine der beiden Präpositionen der zeitgenössischen Norm entsprach:23

wenn man an die Türe schlug (V.97/21).


an der Wand das Bild (N2.76/7-8).

Sterne am Himmel (N1.191/ 17).

am andern Ufer (N1.77/1).

während der Schlafrock nutzlos am Kleiderhaken hing (D.173/19-20).

stützten sich[…] an den Schreibtisch (D.165/11-12).

an einem Spritzenhebel gelehnt (S.299/11).

werden Sie in amtlicher Hinsicht ausschließlich an mich […] verwiesen (S.114/10-12).

x

x
x


x


x

x

Warum schlagen xSie so verrückt auf die Tür? (V.8/24-25).

Auf der Wand […] ein kleines Bild (N1.312/10-11).

auf dem Himmel die Sterne (N1.142/23-24).

Auf beiden Ufern (N1.64/2-3).

wo meistens sonderbare Dinge […] auf den Kleiderrechen hiengen (V.189/21-23).

stützte sich […] auf den Schreibtisch (P.175/13-14).

[auf seinen Besen ge(lehnt>stützt)] (Sv.208/23).

indem sie Dich auf den Gemeindevorsteher verwiesen (S.363/2-3) [Herv. d. Verf.].


Beim Blick auf Brods Kafka-Ausgabe fällt die geringe Zahl editorischer Eingriffe auf: Bei zwei Ausnahmen (Kafka 1953: 165, 196) folgt sie anstandslos Kafkas Fassung letzter Hand. Auch wenn sich an/auf-Schwankungen in Brods Prosa nicht ausmachen ließen, spricht einiges dafür, dass ihm diese Präpositionalverwendung aufgrund ihrer starken Präsenz im täglich in Prag hör- und lesbaren Deutsch schlichtweg nicht auffiel. Diese Vermutung stützen Belegstellen in der Prosa von Egon Erwin Kisch, an welchen an und auf ebenfalls scheinbar verwechselt oder in gleichen Konstruktionen wahlweise verwendet werden:

Sie hat solche rötliche Flecken an [,auf‘] der Haut (Kisch 51922: 129), einen teueren alten Ring auf [,an‘] dem Finger (Kisch 51922: 14-15), Brillianten? Ja, so etwas funkelte auf [,an‘] der linken Hand (Kisch 51922: 196), von klein an (Kisch 51922: 93) × von klein auf (Kisch 51922: 140).

Es verwundert nicht, dass Prager Tageszeitungen, wie etwa die Bohemia, die von Kafka variierend eingesetzten Präpositionen ohne weiteres im Druck wiedergaben (D.412/5-7). Denn auch im Deutsch der örtlichen Medien können Besonderheiten im Gebrauch von an und auf festgestellt werden, die dem Befund in Kafkas Manuskripten gleichen. In der Prager Presse findet sich z.B. auf bestimmte Stunden gebunden (PP 1921c:15).

Dass Brod Sonderformen im Bereich der Kollokation und Phraseologie, die auf das Tschechische Verweisen, meist unverändert abdruckte, zeigt, dass auch sie seinem Prager Sprachgefühl nach ,richtig‘ waren. Dies gilt etwa für Kafkas Wendungen zwischen vier Augen (P.156/14,15)24 und in einem solchen Zeitpunkt (V.29/14).25 Auch die von Kisch (1992: 251-252) im ,Prager Deutsch‘ ausgemachte, für das Tschechische charakteristische Substituierung verschiedener Verben durch dát (,geben‘) entging Brod offenkundig: Kafkas Romanfiguren stellen u.a. fest, welche Arbeit es gegeben [statt ,gemacht/bereitet‘] hat,26 diese Sachen die Treppe heraufzutragen (V.311/16-17), und ,geben sich‘ das Rendezvous (V.262/27-263/1),27 anstatt es ,zu verabreden/auszumachen‘. Brod sah bei diesen Bohemismen allerdings keinen Anlass, Kafkas Wortwahl zu verändern. Die in Prag offenbar geläufige Wendung ,sich ein Rendezvous geben‘ verwendete er in seinem Tagebuch sogar selbst.28



5. Zusammenfassung


Das von Autoren des Prager Kreises und seines Umfeldes ex post verbreitete Bild von der formalen Gestalt der eigenen Gruppensprache erweist sich nach kritischer Überprüfung zu einem erheblichen Anteil als Konstrukt, als kollektiv vertretene Wunsch-Projektion. Als ihre vehementesten Vertreter traten Johannes Urzidil und Max Brod auf, als die Prager Sprachlandschaft der Kafka-Zeit längst nicht mehr existierte. Angesichts der durch die bürgerliche Erziehung des 19. Jh. vermittelten Vorstellung von einer ,reinen‘ Hochsprache suchte man sich unter den sprachsoziologischen Bedingungen, welchen man sich als deutscher Autor jüdischer Herkunft in Prag ausgesetzt sah, als soziale Gruppe sprachlich-exklusiv zu stilisieren und sich dadurch von der tschechischen Mehrheitsgesellschaft abzuheben. Dies tat man, gerade weil man sich bewusst war, Spuren des tschechisch-deutschen Sprachen-Kontaktes mit der eigenen Primärsprache in sich aufgenommen zu haben. In seiner mit Blick auf eine überregionale Leserschaft eingerichteten Ausgabe der Schriften Franz Kafkas versuchte Max Brod nicht nur, den Freund seiner verdienten Anerkennung zuzuführen, sondern nutzte auch zugleich dessen literarisches Potenzial dazu, das propagierte Autostereotyp zu untermauern, die Autoren des Prager Kreises verfügten exklusiv über ein gesprochenes wie geschriebenes Deutsch bar jeder regionalen Tönung.



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Anmerkungen


1 Zu den judenfeindlichen Sprachkonzepten zu Kafkas Lebzeiten s. ausführlich Kremer (2007).

2 Man denke an Kafkas Deklaration des Schreibens als einzige innere Daseinsmöglichkeit, seine Beschwörung einer geradezu kompromisslosen Hingabe an seine Literatur und einer förmlichen – teilweise sogar physischen – Identität seines Daseins mit seinem Schreiben (vgl. Kafka 1990a: 34, 341-342, 579; 1999a: 202-203, 214; 1999b: 15, 171, 216, 261, 269, 271).

3 Bei Publikationsprojekten bemühte sich Kafka fast ängstlich um sprachliche Korrektheit, wie aus seiner Korrespondenz, zumal mit seinem Leipziger Verleger Kurt Wolff, ersichtlich ist (vgl. Kafka 1999a: 165-166, 287; 1999b: 126, 173; 1958: 245; Brod/Kafka 1989: 92; Brod 1960: 280; 1974: 350, 352; Wolff 1966: 51). Auch durch die Lesarten in seinen zu Lebzeiten gedruckten Werken wird Kafkas „Zug zum ,Korrekten‘ oder ,Pedantischen‘“ (Dietz 1963: 447) evident.

4 Kafkas Deutschunterricht am Staats-Gymnasium mit deutscher Unterrichtssprache in Prag Altstadt war einem Grammatik-Lehrwerk (Kummer 31892) gefolgt, das sich stark an reichsdeutschen Normvorstellungen orientierte. Später ließ sich Kafka durch Einwände befreundeter ,Experten‘ und seiner reichsdeutschen Verlagslektoren sogar zur völligen Aufgabe gewisser negativ sanktionierter Formen in seinem schriftlichen Sprachgebrauch veranlassen (vgl. Blahak 2011).

5 ,Ethnolekt‘ wird nach Clyne (2000: 86) als Varietät einer Sprache definiert, die ihren Sprecher als Angehörigen einer ethnischen Gruppe markiert, die ursprünglich eine andere Sprache oder Varietät verwendete.

6 „Denn obwohl Kafkas Sprache nur meßbar ist an J. P. Hebels oder Kleists Deutsch, bildet dennoch ihre leichte Durchsetzung mit Prager […] Elementen der Wortgebung und des Tonfalls einen besonderen, unvermißbaren Zauber“ (Brod 1965: 324).

7 „Kafkas Sprechklang […] mochte Familienbedingt sein, denn Kafkas Eltern hatten noch den unüberhörbaren Ton der tschechischen Provinz beibehalten“ (Urzidil 1966: 79).

8 „Dabei hatte sein Deutsch einen harten Akzent, ähnlich demjenigen, der das Deutsch der Tschechen charakterisierte“ (Janouch 1951: 21).

9 ,Exophonie‘ wird hier nicht im übertragenen Sinn als ,Schreiben in einer anderen als der Muttersprache‘ verwendet, wie dies vereinzelt vorgeschlagen wurde, z. B. von Stockhammer/Arndt/Naguschewski (2007: 17-21). Er wird stattdessen nach der wörtlichen Bedeutung des ihm zugrunde liegenden griechischen éxō (,außerhalb‘) und phōnḗ (,Stimme‘, ,Laut‘) als ,Andersklanglichkeit‘, ,Fremd-Klingen‘ eines Sprechers verstanden, als sprachliche Auffälligkeit innerhalb einer Gruppe von Sprechern der gleichen Sprache.

10 Die in der Kritischen Kafka Ausgabe (KKA) vermerkten Autokorrekturen Kafkas (s. Anm. 11) wurden hier bereits in das Textzitat integriert.

11 Seiten-/Zeilen-Angaben aus der KKA erfolgen im Weiteren nach Kafka (21983), abgek. als S, Kafka (1990b), abgek. als P, Kafka (1992), abgek. als N2, Kafka (1993), abgek. als N1, Kafka (1994/1996), abgek. als D, und Kafka (2002), abgek. als V. Ein e vor der Angabe verweist auf editorische Eingriffe, ein v bezeichnet Varianten Kafkas, wiedergegeben durch die Zeichen [a]: Streichung, {b}: Einfügung, (e>i): Überschreibung, cA: Ansatz zu einem Buchstaben, [m]: nicht mit Sicherheit entzifferbar. ,Fehlende‘, durch Editoren ergänzte Textbestandteile werden an entsprechender Stelle recte in nach außen gekehrten Winkelklammern (› ‹) gesetzt. Textzitate erfolgen kursiv.

12 Vgl. z. B. Kafka (1953: 210, 258).

13 Vgl. Beispiele wie wars, habs, gehts, ichs, wirds, mirs, siehts bei Brod (1911: 102, 119, 136, 197, 209, 211, 213, 219, 220, 251, 262) und einen analogen Beleg bei Otto Pick (1913: 45).

14 Vgl. etwa die Beispiele Ruh, Raß, Hetz, Aug, Anfangsbuchstab (Brod 1911: 102, 152, 197, 210, 240).

15 Vgl. z. B. Hirt, Gekreisch, Hitz (Kisch 51922: 5, 10, 136).

16 Vgl. exemplarisch Kafka (1953: 41, 88, 91, 110, 210, 214; 1965: 132).

17 Vgl. Verpflegsbranche (PT 1921: 3), Uebernahmspreis (PT 1921: 4), Rangsklasse (PT 1921: 7), Maschinenfabriksaktien (PT 1921: 14), Aufnahmsfähigkeit (PP 1921a: 8), Ausfuhrsgebühren (PP 1921a: 9), Bergwerksprodukte (PP 1921c: 14).

18 Vgl. z. B. Kafka (1953: 82, 353; 1964: 47).

19 Vgl. exemplarisch Kafka (1953: 26, 219-220, 308; 1965: 14, 61, 159).

20 Vgl. z. B. Brods Amerika-Ausgabe (Kafka 1953: 14, 99, 101-103, 165, 191, 194, 200, 205, 230).

21 Vgl. die Artikelnachträge in der Verwandlung (D.125/4; D.154/4; D.197/23) und im Hungerkünstler-Band (D.329/4; D.338/18; D.342/18).

22 Die häufige Verwechslung von an und auf wurde bereits von Teweles (1884: 104-105), Schuchardt (1884: 115-116) und Kisch (1917: 3; 1992: 249) als charakteristisch für das das Deutsch in Böhmen bzw. das ,Prager Deutsch‘ bezeichnet und auf den deutsch-tschechischen Sprachen-Kontakt zurückgeführt.

23 S. hierzu im Detail Blahak (2012: 448-459).

24 Vgl. Kafka (1965: 102) und tsch. mezi čtyřma očima. (,unter vier Augen‘).

25 Vgl. Kafka (1953: 22) und tsch. v takovém okamžiku (,zu einem solchen Zeitpunkt‘).

26 Vgl. Kafka (1953: 197) und tsch. něco dá mnoho práce (,etwas macht/verursacht viel Arbeit‘).

27Vgl. Kafka (1953: 166) und tsch. dát si rande (,ein Rendezvous verabreden/ausmachen‘).

28 Hier heißt es: „[…] wo offen die Deutschen bei deutschen Kellnern und Zeitungen sich ein Rendezvous geben […]“ (Brod/Kafka 1987: 119).


© Boris Blahak


Weitere Texte

Boris Blahak, Über das Jiddische in Kafkas Sprache; Boris Blahak – Prag, Der Schreiber als Seismograph seiner Zeit: Kafkas Fragment: Der Verschollene. H. G. Adler Die Dichtung der Prager Schule

Ludwig Winder von Peter Becher; Hans-Gerd Koch über die Freunde Max Brod und Franz Kafka; Max Brod-Werkausgabe von Katja Schickel; Helmut Sturm über den Roman Tycho BraheBrod und die Moderne von Ekkehard W. Haring

Artikel über Kafka und die Prager deutsche Literatur unter: In eigener Sache



© Jiří Slíva


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