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Prof. Dr. Michael Rohrwasser

        „Die Sache mit Kafka“. Ernst Fischer und Franz Kafka

 

 

So unterschiedlich die Blicke und Urteile von Ernst Fischer, Georg Lukács und Hannah Arendt über das Werk Franz Kafkas ausfallen, so ist ihnen doch gemeinsam, dass sie die österreichische k. u. k.-Monarchie und deren Bürokratie als historische Kulisse in Kafkas Werk ausgemacht haben. Bei Ernst Fischer, auf den ich mich im Folgenden konzentrieren will, hat dieser Verweis eine besondere Bedeutung, weil er zwar den Begriff der Entfremdung ins Zentrum rückt, ihn aber vorerst (das heißt vor 1963) vom Staatskommunismus fernhält. In der DDR-Akademie-Zeitschrift Sinn und Form schreibt Fischer, Josef K. wehre sich „im Tonfall eines renitenten österreichischen Staatsbürgers“ (Sinn u Form, Jg. 14, Heft 4, 529).

Der österreichische Beitrag zur Kafka-Forschung: da sind zum einen die jüdischen Emigranten Heinz Politzer, Walter Sokel, Egon Schwarz (s. hier auch Beitrag von Prof. Richard T. Gray, ks), die sich in ihrer neuen amerikanischen Heimat mit Kafka beschäftigen, vielleicht Inbegriff der verlorenen jüdischen Literatur (Günther Anders bedarf eines eigenen Kapitels, auch Otto Basil weist im Plan auf Kafka hin), da ist die alte naziverseuchte Literaturwissenschaft, die Kafka immer noch nicht interessiert (in Josef Nadlers Geschichte der deutschen Literatur von 1951 taucht Kafka jetzt auf, nachdem er in der vierbändigen Ausgabe von 1941 verschwiegen wurde, wenn auch nur in einer Aufzählung, zusammen mit Franz Werfel und Paul Kornfeld, Robert Hohlbaum, Karl Heinz Strobl u. a).

Ernst Fischer ist der prominenteste im Kreis der politischen Kafka-Leserschaft in Österreich, und das, obwohl er Kafka sehr spät erst entdeckt hat. Fischers linientreuer Mitstreiter Bruno Frei merkt in seiner Autobiographie von 1972 an: „Bis heute ist mir unverständlich, wie es geschah, daß die Auseinandersetzung in Österreich sich an den Namen Ernst Fischer knüpfte“ (S. 363). Frei hat dagegen Kafka schon in seiner Jugend gelesen, seine Schilderung klingt aber so, als müsse er sich dafür rechtfertigen: dahinter habe sich keine Absicht verborgen, sondern nur Lesesucht. Er habe ihn damals „ohne Verstand verschlungen“, ohne „nachhaltige Empfindungen“ – er unterstreicht damit, dass er von Kafka nicht infiziert worden sei, dass Kafka ein gefährlicher Autor war.

Kafka rückt in den frühen sechziger Jahren ins Zentrum von Fischers kulturpolitischen Schriften; sein Werk wird gewissermaßen zum Vehikel, mit dem Fischer sich aus den Reihen seiner Genossen entfernt, um schließlich zwischen den Stühlen zu stehen, um hier eine Wendung Fischers zu zitieren.

Bruno Frei, der sich nun von Fischer allein gelassen fühlt, ortet sich dagegen „zwischen den Fronten“ (391), was heißt, dass er Fischers Argumentation (der er ein Stück weit gefolgt ist) nun nicht weiter folgen will. Liest man Fischers Kafka-Aufsätze und Freis Kommentare zur Kafka-Kontroverse (das gilt aber auch für viele andere Aufsätze in der KPÖ-Zeitschrift Tagebuch), hat man allerdings den Eindruck, dass das weniger österreichische Texte sind, denn Beiträge zur osteuropäischen staatskommunistischen Debatte um Kafka, Einmischungen von außen zwar, aber in einer diplomatischen Sprache geschrieben, die um die Verbots- und Vorfahrtsschilder weiß, mit denen das Kafka-Terrain während des Kalten Krieges markiert ist.

Insofern sind Fischers Kafka-Texte nicht genuin österr

 

eichische Texte, es sei denn, dass Fischer mit seinem vermittelnden Ton die österreichische Mittlerposition zwischen dem Westen und dem Osten unterstreichen will (oder Österreich mit der DDR vereint). Die wichtigsten Kafka-Aufsätze Fischers erscheinen in der DDR-Zeitschrift Sinn und Form, wie überhaupt Fischer bis 1963 viele seiner Arbeiten in der DDR publizierte.

Zwischen den Stühlen – eine Position, die nicht vorgesehen war im Weltbild Fischers, das er in den 50er Jahren und noch in den 60ern gepredigt hatte. In seinem Anti-Tito-Stück Der große Verrat von 1950 hatte er deklariert: „Heute gibt es nichts als zwei Fronten. Und zwischen den Fronten wächst kein Gras, blüht kein Baum“. Alles Gerede von einem „dritten Weg“ sei Augenwischerei, die Welt sei von einer Linie durchschnitten, und man könne seinen Fuß nur auf die eine oder die andere Seite setzen. Auch auf dem Weltkongress der Intellektuellen zur Verteidigung des Friedens in Breslau, im August 1948, hatte Fischer jene attackiert, „die in der Unmännlichkeit eines zimperlichen Individualismus das eigentliche Wesen des Intellektuellen erblicken”. Jeder sogenannte “dritte Weg”, rief der österreichische Sprecher aus, führe in das imperialistische Lager.

 

Die tschechische Liblice-Konferenz, auf der Fischer und Roger Garaudy die einzigen Vertreter des westlichen Lagers waren, hatte ein Jahr zuvor ein Vorspiel in Moskau. Jean Paul Sartre tritt dort auf einem „Weltfriedenskongreß“ auf und hält eine Rede (Ernst Fischer ist vermutlich unter den Zuhörern), in der er unterstreicht, dass „die internationale Einheit der Wissenschaften, der Ideen und Künste“ Marx, aber auch Kafka brauche. Der Westen habe Kafka zur politischen Waffe gemacht, zu einem „Ankläger gegen die Bürokraten“. Man habe ihn zu den Russen expediert in der Hoffnung, „dass dort jeder Leser im Universum des Prozeß sein eigenes Land erkennen werde.[…] Der Autor erleidet einen doppelten Schaden: im Westen wird er verfälscht und verzerrt; im Osten übergeht man ihn mit Schweigen“.

Sartre fordert die Marxisten auf, dem Westen das Kafka-Monopol abspenstig zu machen: „Wem gehört Kafka, euch oder uns – das heißt, wer versteht ihn am besten? Wem nützt er am meisten?“

Die Wendung „zu den Russen expediert“ darf man beim Wort nehmen – die CIA schmuggelte in seinem Marshall Plan of the Mind in den 50er Jahren, meist von Wien aus, Millionen westlicher Bücher durch den Eisernen Vorhang, darunter auch Kafkas Romane. Und auch dass die russischen Leser in Kafkas Romanen ihr eigenes Land erkannt haben, scheint den Tatsachen zu entsprechen. In der SU sei vor 1965 Der Process als Samisdat-Druck ohne Autorenangabe verbreitet worden, schreibt der russische Literaturwissenschaftler und Übersetzer Efraim Etkind und erzählt:

„Er wanderte von Leser zu Leser, den Namen des Autors oder auch nur dessen Nationalität aber gab er nicht preis; letztere war wegen der rätselhaften Bezeichnung des Helden als Josef K., der geographischen und historischen Unbestimmtheit sowie der Allgemeingültigkeit der behandelten psychologischen und sozialen Probleme auch kaum zu erraten […]. Die meisten sowjetischen Leser haben ihn zweifellos für ein gut getarntes Werk eines einheimischen Autors gehalten, der seinen Namen wegen der klar ausgeprägten sowjetfeindlichen Tendenz nicht verraten wollte. Stellte Der Prozeß nicht in leicht verschleierter Form die Ereignisse der Terrorjahre 1935, 1937/38 und 1949-1952 in der UdSSR dar? Nur ein Sowjetrusse konnte die konkreten Einzelheiten so genau kennen! Und diese Einzelheiten sind in dem Roman zahlreich. Als er 1965 im Moskauer Staatsverlag erschien, war es nötig, mit Nachdruck zu betonen, daß er ohne jeden Zusammenhang mit der sowjetischen Wirklichkeit sei. Der Verfasser des Vorworts und die Kritiker behaupteten hartnäckig, Kafka habe das Naziregime vorausgesehen und beschrieben“.

Dass Sartre auf Weltfriedenskongresse eingeladen wurde, verstand sich nicht von selbst, denn auf dem ersten dieser Kongresse, in Breslau 1948, wo Ernst Fischer als österreichischer Repräsentant aufgetreten war, galt Sartre, als Autor von Les Main sales, noch als einer der großen Störenfriede des gegnerischen Lagers. "Wenn Hyänen maschineschreiben und Schakale einen Füllhalter gebrauchen könnten, würden sie so schreiben wie jene!", heißt es in der berüchtigten Rede von Alexander Fadejew in Breslau, die Sartre, Henry Miller, Malraux und T.S. Eliot Zersetzung vorwarf.

 

„Die westliche Literatur und Kunst, so mußte man folgern, war ein einziger Abschaum des Verfalls und der Sittenlosigkeit, abgesehen von ein paar patentierten Freunden der Sowjetunion“, schreibt Hans Mayer in seinen Erinnerungen.

Auf dem Kongress selbst scheint er noch im Einklang mit Fadejew gewesen zu sein, notiert Max Frisch, der nach Fadejews Rede die Flucht ergriffen hatte. Aber schon auf dem Wiener Friedenskongress von 1952 hatte Sartre dann in einem Akt der Selbstzensur ein Aufführungsverbot seines Stückes verfügt, bzw. er hatte die Entscheidung über künftige Aufführungen den KPs der jeweiligen Länder anheimgestellt.

 

Mit Sartres Moskauer Rede von 1962 sei die Straße von Moskau nach Liblice erschlossen worden, schreibt Heinz Politzer, einer der großen österreichischen Kafka-Forscher (der die erste amerikanische Kafka-Ausgabe verantwortete). Die Rede Sartres ist abgedruckt in der letzten Doppelnummer von Sinn und Form, die von Peter Huchel ediert wurde (Heft 5/6, 1962) – Huchel war eben, so pointiert Hans Mayer, von „linientreuen Besserwissern“ vor die Tür gesetzt worden. In seiner letzten Nummer war von ihm alles hineingepackt worden, „was ihm wichtig war, und was offiziell mißfallen mußte“: literarische Texte von Ilse Aichinger, Günter Eich, Isaak Babel, Paul Celan, Jewgenij Jewtuschenkos Gedicht Babij Jar, der zitierte Vortrag von Sartre, eine poetische Erinnerung an den verfemten Hanns Eisler, Louis Aragons Rede in Prag (eine Attacke auf den sozialistischen Realismus), die Kafkas Namen ausspart, und ein Aufsatz von Ernst Fischer, in dem Kafka zwar nur am Rand erwähnt wird, aber eine Fragestellung verfolgt, die er in seinem vorangegangenen großen Kafka-Aufsatz entwickelt hat.

 

Ernst Fischer, ein Jugendfreund Elias Canettis, hatte sich in den zwanziger Jahren als Dichter entdeckt und war 1923, über Vermittlung von Stefan Zweig, mit seinem Stück Das Schwert des Attila sogar Burgtheaterautor geworden. Nach dem Februar 1934 hatte er sich der österreichischen KP angeschlossen und war dort schnell aufgestiegen. Im Moskauer Exil hatte er als hoher Komintern-Funktionär andere Schreibaufträge zu erledigen, zu denen auch belastende Dossiers über seine Mitstreiter gehörten. Nach seiner Rückkehr nach Österreich im April 1945 bis zur ersten Nationalratswahl 1954 war er Staatssekretär für Unterricht, Kunst und Volksbildung, bis 1969 stand er als Mitglied des Zentralkomitees der KPÖ an der Parteispitze, darüber hinaus war er Chefredakteur der ersten Nachkriegszeitung Neues Österreich (ein Blatt, das damals ÖVP, SPÖ und KPÖ gemeinsam herausgaben) und Mitherausgeber des ( Österreichischen) Tagebuch , der kulturpolitischen Zeitschrift der KPÖ. Er war das prominente, intellektuelle Aushängeschild der KPÖ; er selbst betrachtete sich als eine Art von kulturpolitischem „Außenminister der Partei“ und inszenierte sich wieder als Dichter, auch wenn er „jahrelang nur in den konfidentiellen kommunistischen Organen publiziert“ hat (darunter auch eine „Kantate an Stalin“ und eine „Hymne“ zu dessen 70. Geburtstag). Trotz der sinkenden Mitgliederzahlen und des steigenden Altersdurchschnitts ihrer Mitglieder hatte die KPÖ außenpolitisch ihre Bedeutung erhalten, weil sie hineinwirkte in den alten k. u. k-Raum. Was das Wiener Parteiorgan

Volksstimme schrieb, machte in den fünfziger und sechziger Jahren in Budapest, Warschau und Prag die Runde.

 

Fischer versuchte sich in den späten fünfziger und frühen 60er Jahren in einem erstaunlichen Spagat, weil er einerseits stalinistische Positionen vertrat (bis hin zur Rechtfertigung der sowjetischen Arbeitslager), andererseits aber in kulturpolitischen und ästhetischen Fragen immer mehr gegen den Stachel löckte. Man kann mutmaßen, dass er in den Jahren nach 1956 versuchte, die Position des marxistischen Ästhetikdozenten zu besetzen, die nach Lukacs‘ Fall verwaist war (der nun Kafka als Realisten entdeckt hatte). Der englische Theaterkritiker Kenneth Tynan hat ihm schon mal den Titel „Aristoteles des Marxismus“ verliehen, vielleicht ein wenig verfrüht.

Zu den stalinistisch-antisemitischen Nachkriegsprozessen in Osteuropa hat er geschwiegen, und wohl auch zum Einmarsch der Sowjets in Ungarn. Sein Freund Hans Mayer erwähnt zwar einen Protest Fischers, doch ein solcher wäre wohl auf den inneren Kreis der KPÖ beschränkt geblieben, denn bislang haben sich in Archiven dafür keine Anhaltspunkte gefunden – jedenfalls hat Fischer sich damals wie sein Parteifreund Bruno Frei geweigert, eine Protestresolution des österreichischen PEN-Club gegen die sowjetische Invasion zu unterschreiben, was im November 1956 zu ihrem Ausschluss aus dem PEN führte (in Fischers Aufsatz Die unbequemen Intellektuellen, im Tagebuch von 1957 erschienen, kann man aber den „Widerhall der ungarischen Ereignisse“ erkennen). Bruno Frei rächt sich dafür später in seinen Erinnerungen (Der Papiersäbel), in denen er die Wiener Kommunisten, die nach dem Einmarsch in Ungarn ihrer Partei die Treue gehalten haben, zu den Juden von heute, und die Antikommunisten, die sie auf den Straßen attackierten, als die neuen Nazis erklärt.

 

Wegen seines kulturpolitischen Engagements nach 1958 gerät Fischer jedoch in der DDR bald unter Häresieverdacht. „Walter Ulbricht hat diesen Österreicher so tief gehasst, wie es ihm, dem dürren und emotionslosen Besserwisser, überhaupt möglich war“, schreibt Fischers Freund Hans Mayer, der in Liblice nicht dabei sein durfte und dann in den Westen übersiedelte. Das hat Fischer aber nicht die Liebe des anderen Lagers gesichert: Friedrich Torberg attackiert ihn immer wieder in seinem

FORVM – „Der Fischer stinkt vom Kopf her“ heißt es dort beispielsweise, oder: „des Fischers neue Netze“. Da Fischer selbst die Möglichkeit eines dritten Wegs bestritten hatte, muss ihn diese Reaktion eher bestätigt haben.

Im Moskauer Exil, so versichert Fischer in seinen Erinnerungen und Reflexionen von 1969, sei er Kafka noch nicht begegnet, und er fügt hinzu, dass Kafka ihm dort vielleicht geholfen hätte, „manches mit schärferen Augen zu sehen“. Zwar gibt Fischer uns keine Auskunft über seine erste Kafka-Lektüre, aber er suggeriert in Erinnerungen und Reflexionen, dass Kafka ihm dann die Augen geöffnet habe. Er partizipiert hier an dem geläufigen Bild, dass Kafka seinen Lesern die Sprache verleiht, um das Schweigen zu brechen und über die eigenen Erfahrungen in totalitären Systemen zu schreiben. Folgt man diesem Selbstbild, dann hat er ihn erst in den späten 50er Jahren entdeckt, denn von da ab taucht Kafka als Referenz in Fischers kulturpolitischen literaturästhetischen Aufsätzen auf.

 

Im Namen Kafkas wird vorerst eine Distanzierung gegenüber Georg Lukács vollzogen, der 1956 Thomas Mann über Kafka gestellt und erklärt hatte, dass Thomas Mann dem Sozialismus näher stünde. Sicher ist, dass für seine eigene literarische Arbeit Kafka keine Spuren hinterlassen hat – über Fischers Autobiographie schreibt Jean Amery: „Das Wort von der kafkaesken Welt wird da und dort ausgesprochen, aber es ist nicht Kafka, der diese Welt uns vorführt“. Da verharrt er mit seinen belehrenden Agitationsstücken, seinen konventionellen und rührseligen Gedichten in einer Kafka-fernen Tradition, und die Berufung auf Kafka (in seinen Essays) bedeutet auch nicht zwingend eine Anerkennung der literarischen Moderne, denn immer noch bleiben für Fischer Samuel Beckett und andere dem staatskommunistischen Décadence-Formalismus-Verdikt unterstellt. Fischer rettet sich aus diesem Widerspruch, indem er seinen Realismusbegriff öffnet und Kafka als „realistischen“ Autor feiert. Das Phänomen der Dekadenz bleibt vorerst bestehen: „Gewiß: die Welt, in der dieser Kafkaismus gedeiht, ist überfüllt von Erscheinungen der Dekadenz, des Niedergangs“.


Fischers Aufsatz in Huchels letztem Sinn und Form-Heft trägt den Titel Entfremdung, Dekadenz, Realismus. Hier plädiert der Autor dafür, Kafkas Verhältnis zur Dekadenz genauer zu bestimmen, ohne dass Fischer die Gefährlichkeit der Dekadenz in Frage stellt. Dekadenz sei ein Gift, vor dem zu warnen Pflicht der Marxisten sei, aber es gebe „nicht allzu viele Dichter und Schriftsteller, die sich mit der Dekadenz identifizieren“ – er beschränkt sich auf die Namen Huysmans, d’Annunzio, George und Arzybaschew (823); andere hätten sich zwar mit der Dekadenz infiziert, aber Antitoxine entwickelt (die Metaphorik von Gift und Infektion durchzieht den ganzen Aufsatz). Wie Franz Fühmann es 1964 in einem Brief an den DDR-Kulturminister tat und Sartre in Moskau getan hatte, gibt Fischer den Kunsttheoretikern und Feuilletonisten „der kapitalistischen Welt“ die Hauptschuld an der Funktionalisierung Kafkas: „Meister der phantastischen Satire wie Joyce und Kafka werden in Mystiker umgefälscht“.

Im vorangegangenen Heft von Sinn und Form findet sich ein über 50seitiger Kafka-Aufsatz von Fischer, der mit der Warnung einsetzt, Kafka heiligzusprechen und mit dem Satz schließt: „Der Kafkaismus wird vorübergehen, wenn seine Voraussetzungen überwunden sind. Kafka wird bleiben“– eine Parole, die Kafka jenseits von Funktionalisierungen ortet und die zugleich ausblendet, dass Kafka noch gar nicht angekommen war in der literarischen Öffentlichkeit von Ostberlin, Prag, Budapest, Warschau etc (wobei es spezifische Unterschiede gab, denn in Belgrad war es um Kafka weitaus besser bestellt, in den Schulbüchern fanden sich Texte von Kafka, und Orson Welles konnte in Zagreb seinen Prozess-Film drehen).

Zum einen funktioniert dieser Aufsatz mit seinen ausführlichen Zitaten aus Briefen, Erzählungen und Romanen als eine Art von kleinem kommentiertem Kafka-Lesebuch für jene Leser, denen der Zugang zu dessen Texten verwehrt war, zum anderen ist er ein fürstenaufklärerisches Plädoyer für den verfemten Dichter. Kafka wird den DDR-Kulturfunktionären als wacher Beobachter der Entfremdung im Kapitalismus und der Ausbeutung offeriert, als ein Autor mit sympathisierendem Blick für die Unterdrückten, wobei Fischer konzediert, dass der Dichter „die Arbeiter nicht als kämpfende Klasse, sondern als hilflose Einzelne“ gezeichnet habe. Es ist die kapitalistische Welt, die Fischer in Kafkas Texten gespiegelt sieht, und der Amerika-Roman liefert Fischer Anlass zur ausführlichen Kritik am Wahlsystem der USA und an der „bürgerlichen Demokratie“ überhaupt. Außerdem wird Kafka hier den Tschechen zurückgegeben: „Um ein Volk zu finden, mußte er zu den Tschechen gehen“.

 

Fischer verfolgt dabei einen schlichten biographischen Ansatz (als ginge es darum, einen recht unbekannten Autor vorzustellen, über den nichts voraussetzbar sei, darüber hinaus aber mit der Sicherheit, dass sich Werk und Leben gegenseitig erläutern): Er unterstreicht Kafkas Schwächen, angefangen von seiner zerbrechlichen Physis bis hin zu seiner Unfähigkeit, richtige Beziehungen zu Frauen einzugehen, um zu schlussfolgern, dass diese Schwäche ihm die Sensibilität geschenkt habe, die gesellschaftliche Entwicklung seiner Zeit zu empfinden und darzustellen wie kein anderer: „Seine Schwäche [ist] Urgrund seiner literarischen Kraft“ (498). Dieses Bild einer Stärke, die aus dem „Genie der Schwäche“ wächst, hat Anna Seghers dann in ihrer späten Erzählung, in der E.T.A.Hoffmann und Kafka sich in einem Prager Kaffeehaus treffen, noch einmal aufgegriffen (eine ziemlich schreckliche Erzählung).

Diese Argumentation, dass Kafkas Schwäche für seine seherische Stärke verantwortlich ist, ist mehr als nur eine Wendung für die Funktionäre, es scheint vielmehr eine Umschreibung des jüdischen Kafka. Sie erinnert von Ferne an die antisemitisch grundierte Erzählung vom gefährlichen schwachen Juden, aus dessen Schwäche die Kraft zur Zersetzung wächst.

Fischer verleiht, wie als erster vielleicht Brecht das getan hat, aber mit größerem Pathos als dieser, dem Autor eine prophetische Begabung, die aus der von ihm diagnostizierten Schwäche erwächst: „Kafka roch die Verwesung einer scheinbar noch intakten Gesellschaft, im Bürokraten von heute den Prügler, den Henker von morgen, im unscheinbaren Keim die heranreifende Katastrophe“ (501). Fischers Rede von der seherischen Begabung, die dem „Genie der Schwäche“ gegeben war, erscheint im Nachhinein als ein vergiftetes Lob, das auf Kosten der Anerkennung von Kafkas literarischem Vermögen geht, eine Gabe ist eine Gabe und kein Resultat schriftstellerischer Arbeit.


Fischer unterstreicht Kafkas Sympathien für die Arbeiterbewegung und erkennt auch im Verhältnis zu seinem Vater das „Wetterleuchten des Klassenkampfes“, eine etwas allzu routinierte biographische Interpretation, der man nun wieder den Blick auf den Adressaten anmerkt.

Er wiederholt, was schon Paul Reimann moniert hatte, dass Kafka keinen Klassenstandpunkt habe, nicht an die Revolution glaube und nicht an die „geschichtliche Kraft der Arbeiterklasse“. Wiederum argumentiert Fischer biographisch: Als Angestellter einer Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt habe Kafka „die Arbeiter nicht als kämpfende Klasse, sondern als hilflose Einzelne“ wahrgenommen– das entspricht ganz dem Tenor der Einleitungen, Nachworte und Aufsätze, die in den 50er und 60er Jahren in den osteuropäischen Staaten erschienen waren, aus der Feder von Paul Reimann, Bihalja Merin, Franz Fühmann und anderen. Und es ist sinnvoll, Fischers Kafka-Texte als Teil dieses staatskommunistischen Diskurses wahrzunehmen, in dem Kafka getadelt werden musste, um eine Edition zu ermöglichen, in dem seine Beschränktheit eingestanden wurde, um ihn als ungefährlich erscheinen zu lassen. Ich beschränke mich auf ein frühes Beispiel, das zugleich den Kontrast zu Fischer deutlich macht. Der Prager Literaturkritiker Paul Reimann, einer der späteren Initiatoren der Liblice-Konferenz, publiziert 1957 auf Einladung von Louis Fürnberg einen Kafka-Aufsatz in den (von Fürnberg herausgegebenen) Weimarer Beiträgen. Er geißelt dort die „Schwäche“ von Kafkas „Weltanschauung“: „Die Menschen sind bei Kafka nur passiv, nur leidend […]. Die subjektiven Sympathien für das werktätige Volk, die in Kafkas Werk stellenweise sichtbar werden, genügten nicht, die gestellte Aufgabe zu bewältigen. Deshalb sind auch alle Versuche, aus Kafka eine mystische Persönlichkeit zu machen, ihn zum Rang eines Propheten zu erheben, völlig aussichtslos und zum Scheitern verurteilt. Kafka war nichts weniger als ein Prophet, er war ein Schiffbrüchiger“. Reimann attestiert Kafka „ein starkes literarisches Talent“, das freilich unfähig sei, mehr als „Skizzen oder Fragmente“ zu liefern.

 

Nach der Liblice-Konferenz, als die Wellen so hoch schlugen, dass Bruno Frei begreift, dass aus Kafka ein politisches Thema geworden ist, wird Reimann von ihm (für einen Vortrag, ks) nach Wien eingeladen. In diesem Vortrag, so lobt Frei seinen Redner, sei die Diskussion von Liblice “vom Kopf auf die Beine” gestellt worden– Reimann habe von den Grenzen Kafkas gesprochen, dass er unfähig gewesen sei, in die Kämpfe seiner Zeit einzugreifen. Paul Reimann: “Wir machen ihm daraus keinen Vorwurf; aber als Kinder einer neuen Zeit müssen wir die Grenzen sehen, über die Kafka nicht hinauskam”– dieselbe Argumentation, nach Liblice, und statt in der DDR in Österreich vorgetragen, wird nun zur dogmatischen Währung.

Fischers Verteidigung Kafkas ist hier wie in früheren Annäherungen behutsam (und auch er bringt auf dem Altar der Dogmatik Opfer und bezichtigt andere Autoren wie Samuel Beckett der „makabren Dummheit“). Doch unverkennbar ist auch eine verborgene Linie des Essays, nach der Kafka das stalinistisch-bürokratische System beschreibt. Im Dekadenz-Aufsatz hatte er dann auch gegen Ende einen Ausfallschritt gewagt: „Aus der Sowjetunion kam zur Zeit des Personenkults zuwenig Ermutigung. In vielen Werken sowjetischer Kunst und Literatur wurde die Wirklichkeit nicht nur simplifiziert, sondern auch beschönigt oder verdrängt, also in einem gewissen Ausmaß ‚entwirklicht‘“. In den verschiedenen Entwürfen seiner Kafka-Essays, die sich im Nachlass finden, lässt sich diese antistalinistische Stoßrichtung noch deutlicher erkennen, und ebenso in seinem Vortrag für die Kafka-Konferenz von Liblice. Dass diese Linie in seinem Kafka-Essay von 1962 noch untergründig bleibt, sei ein Kennzeichen der „Sklavensprache“, schreibt Hans Mayer, der dieses verschleierte Schreiben erstaunlicherweise auch noch in den Wiener Ovid-Gedichten Fischers ausgemacht hat.

Kafka-Philologen kommen aber in diesem und den anderen Aufsätzen Fischers nicht auf ihre Kosten, denn dass das Brod’sche Stichwort der Religiosität (dem Fischers Polemik gilt), nicht taugt, ist der Forschung in den sechziger Jahren nicht mehr neu. Die Luzidität der im Essay gelobten Analyse von Günther Anders wird nicht erreicht, und auch nicht die Innovationskraft von Franz Fühmanns E.T.A. Hoffmann-Studien – Fühmann hatte in der DDR um Hoffmann in ähnlicher Weise gekämpft wie Fischer um Kafka, aber seine Aufsätze haben der ETAH-Forschung wirklich Impulse gegeben. Es scheint, Fischer verliert über die Verteidigung Kafkas seinen Atem.

 

Durch die internationale Resonanz, die die Kafka-Konferenz von Liblice fand, aufgeschreckt, wurde in der DDR Kafka zur Chefsache erklärt, Fischer wurde zum Feind erklärt, und damit verschloss sich für Fischer der Publikationsort DDR.

Klaus Hermsdorf: „Mit Kafka und den Folgen beschäftigten sich höhere, jedoch geschlossene Gremien, die von dem einzigen Mann informiert wurden, der sich in dieser Sache ernsthaft engagierte, deren unseliger Urheber er war: von Alfred Kurella. Er sammelte sorgfältig die Daten […]. Er stellte sie in einer chronikalischen Auflistung zusammen […]. Er machte Vorschläge für den Umgang mit beunruhigenden Entwicklungen an einer unbekannten ideologischen Front“. Kurella veröffentlicht nach der Liblice-Konferenz in der Kulturbund-Zeitschrift Sonntag einen polemischen Artikel mit dem Titel Der Frühling, die Schwalben und Franz Kafka, der zum einen in Kafka eine Fledermaus wahrnimmt, zum anderen bei Fischer und Garaudy falsche Thesen und Tendenzen ausmacht. Das KPÖ-Blatt Tagebuch erlaubt sich, diesen Artikel nur in Auszügen abzudrucken und dafür mit Antworten von Roger Garaudy, Bruno Frei und Ernst Fischer („Die Schwalbe war’s und nicht die Fledermaus“) zu ergänzen. Fischer erntet daraufhin in der DDR scharfe Kritik, darf aber nicht antworten, weil dort die Partei entschieden hat, die Diskussion abzubrechen. Der Briefwechsel Fischers mit den (Nicht-) Zuständigen der SED (1964) findet sich im ÖLA-Nachlass. Am Ende versanden seine Beschwerden, man würdigt ihn keiner Antwort mehr.

 

Bruno Freis Kommentar:

Aus den temperamentvollen Entgegnungen Garaudys und Fischers wurde deutlich, daß der Streit um Kafka tatsächlich ein Gefecht von Maskierten ist. Der Kampf um die Anerkennung Kafkas, schrieb Ernst Fischer, sei ein Kampf gegen das den Marxismus verarmende ‘Ist doch alles klar!’ Kurellas Widersacher gebraucht nicht zufällig ein Bild, das sich nach dem XX. Parteitag der KPdSU eingebürgert hatte: in Liblice hätte man das ermutigende Bewußtsein gehabt, “daß unter dem Eis der Fluß sich bewegt und daß, indem er das Eis durchbricht, Welle um Welle vorwärtsdrängt. Das Neue, das auch in der Kakfa-Konferenz hervortrat, ist nicht mehr aufzuhalten”.

Das war nun der Augenblick, in dem dem Herausgeber die Unparteilichkeitspose unmöglich wurde.

Frei erinnert sich, dass er dann eingegriffen und Stellung gegen Fischer bezogen habe, wie er sagt, aus gesundem marxistischen Menschenverstand heraus, wofür er von sowjetischen Ideologen gelobt worden sei. Was Fischer und Garaudy über Kafka gesagt hätten, damit sei er einverstanden gewesen, nicht aber mit dem Komplex Entfremdung und sozialistische Gesellschaft, womit er, nicht unähnlich den Kafka-Philologen, für eine Entflechtung von Literatur und Politik/Ideologie plädiert.

Das Aus für Kafka kommt mit dem August 1968, und bald darauf das Aus für Ernst Fischer. Der DDR-Kulturminister Klaus Gysi, der wie Bruno Frei aus einer jüdischen Familie stammt, hält wenige Tage nach dem Einmarsch in Prag eine Rede zur Eröffnung des Weimarer Nationaltheaters mit dem Titel Faust oder Kafka? Damit variiert er die Formel, die Georg Lukács 1956 geprägt hatte: Kafka oder Thomas Mann? Kafka ist damit endgültig aus dem DDR-Kanon gestrichen. Hinter dem von Kulturfunktionären entworfenen Bedrohungsszenario, dass das Werk Kafkas eine „ansteckende Krankheit“ sei und die Liblice-Konferenz eine „absichtliche Infektion im Blutkreis der sozialistischen Literatur“, verbirgt sich ein geläufiges antisemitisches Stereotyp. Tatsächlich kann man im staatskommunistischen Kampf gegen Kafka immer wieder die Formel von dem bedrohlichen Bazillus entdecken, der den gesunden Volkskörper zu infizieren vermag (vielleicht ist das nur der Hygienediskurs des 19. Jahrhunderts, den wir bei den Antisemiten kennen, der aber nicht per se antisemitisch ist).


Das Aus für Fischer kommt einige Monate später. Angesichts seiner vehementen Kritik an der Sowjetunion hätte man erwarten können, dass Fischer selbst den Bruch mit der Partei vollzieht. Doch er wartet ab, vielleicht auch deshalb, weil er als Kritiker in Parteikreisen viel Solidarität erfährt und wie so viele seiner Vorgänger an einen Reformprozess glaubt. Er wird in diesen Monaten nach dem August zum Hoffnungsträger der Unzufriedenen in der Partei, ebenso wie in Frankreich Roger Garaudy. Er gehört damit zu jenem Typus des Renegaten, der seinen Ausschluss durch die Partei herbeiführt. Weil man in der DDR die Linie von Liblice und Kafka zum Prager Frühling zog, ist Fischer zum Parteifeind geworden. Als Fischer daraufhin „aus Altersgründen“ nicht mehr ins Zentralkomitee gewählt wurde, sagte er, seine Senilität sei so fortgeschritten, dass er beim Ausdruck „brüderliche Hilfe“ nur noch an Panzer denke. Am Ende ist es nicht mehr seine Kafka-Position, sondern sein Auftritt im ORF, wo er in einem Fernsehinterview den Begriff  Panzerkommunismus prägt, was zu seinem Ausschluß führt. Hatte Fischer in seinem Dekadenz-Essay von Infektion und Ansteckung gesprochen, so wird er nun selbst als gefährlicher Bazillus begriffen. Es kommt zu Solidarisierungen und zu Einspruch, aber die Schiedskommission der Partei erklärt am 22. Oktober 1969 (nicht die Panzer, sondern) Ernst Fischer habe „der Partei schweren Schaden zugefügt“ (Fischer schreibt im März 1970 an Eduard Goldstücker nach England: „Die Rache der Reptilien ist unaufhaltsam").

Noch einmal Bruno Frei: "Es ging um die Zurückweisung eines Angriffs auf die Fundamente des Baus“. Frei lässt auf eigene Kosten eine Broschüre drucken, in der er sich von seinem alten Chef distanziert: Der Weg Ernst Fischers führt, im Blick Freis, hin zur anderen Front des Kalten Kriegs - und Kafka ist der Verführer.

05.XII.2011


 

 

Dr. Michael Rohrwasser ist Frofessor für Neuere Literatur an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien

 

Auswahl von Publikationen:

Saubere Mädel. Starke Genossen. Proletarische Massenliteratur? (1975)

Der Weg nach oben. Johannes R. Becher. Politiken des Schreibens (1980)

Der Stalinismus und die Renegaten. Die Literatur der Exkommunisten (1991)

Coppelius, Cagliostro, Napoleon. Der verborgene politische Blick E.T.A.Hoffmanns (1991)

Freuds Lektüren (2005)

 - als Herausgeber:

Gustav Regler: Werke Band II: Wasser, Brot und blaue Bohnen (1994)

Symposium Georg K. Glaser - Einar Schleef (1998)

Georg K. Glaser: Werke Band I: Schluckebier und andere Erzählungen (2006)

Kalter Krieg in Österreich. Literatur - Kunst - Kultur (2010, zusammen mit Michael Hansel)

Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino (2010, zusammen mit Stephan Kurz)

 


© Fotos: Das_rote_Wien.at: Ernst Fischer; golm.rz.uni-potsdam.de: Bruno Frei; czechport.net: Schloss Liblice; akademie_der_kuenste.de: Hans Mayer; art-port.cc: Elias Canetti, 1960 (Malerin: Marie-Louise von Motesicky, die Canetti zeitlebens auch finanziell unterstützte, besonders dankbar war er nicht); Archiv Klaus Wagenbach: Kafkas Augen; kafka_web: Das goldene Gäßchen; Kafka-Zeichnung: Der Denkende; uni-potsdam.de: Georg Lukacs; schulbilder.org: Malen nach Zahlen; diepresse.com: Michael Rohrwasser


 


 


 

 

 

 

 

 

 



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