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AUSZÜGE AUS DEM TAGEBUCH VON EVA MÄNDL-ROUBÍČKOVÁ

Auswahl der Textstellen: Katja Schickel
 

 

Sonntag, 14. Dezember 1941


Früh nochmal gebadet, Kopf gewaschen, furchtbar viel Besuch und immer noch zu tun...

Abschied von Prag. Nur nicht nachdenken. Um ein Uhr einrücken müssen. Der Abschied von allen sehr schnell.... Das Tor wurde hinter uns geschlossen, und wir sind von jetzt ab gefangen und keine freien Menschen mehr. Der Messepalais ist ein furchtbar großer Messesaal mit verschiedenen Abteilungen. Der erste Eindruck ist schrecklich.....


Mittwoch, 17. Dezember 1941


... Allen Männern wurden die Haare geschnitten, den Frauen nicht. Um acht Uhr alle fahrbereit. Um neun Uhr unter furchtbar starker Bewachung von deutschen Soldaten mit geladenen Gewehren auf den Bahnhof geführt worden, in plombierte Waggons gesetzt und erst um ein Uhr weggefahren Richtung Theresienstadt. Furchtbar eingequetscht in den Waggons mit dem vielen Gepäck. Das ist alles so seltsam, dass man es einfach nicht versteht. Gott sei Dank, denn wenn man das alles begreifen würde, könnte man verrückt werden. Nachmittags um zwei Uhr in Theresienstadt....


Donnerstag, 1. Januar 1942


... Nachmittags gab es... ein Konzert. Ein Ziehharmonikaspieler, ein Sänger. Man hat sich wieder in normale Zeiten zurückversetzt gefühlt... viele haben geweint. Deutsche und tschechische Lieder wurden gesungen.


Mittwoch, 11. Februar


...Der übergroße Optimismus der ersten Wochen hat sich merklich abgekühlt. Niemand rechnet mehr damit, dass wir im Frühling nach Hause fahren. Es wird interessant sein, sich einmal an das alles zu erinnern....


Donnerstag, 9. April


...die meisten Leute hier können sich irgend etwas verschaffen. Es ist traurig, dass man hier alles nur durch Schmäh, Lüge oder Diebstahl erreichen kann. Wird man sich wieder in das normale Leben einfügen können, wird man jemals wieder ein normaler anständiger Mensch werden? Werden wir nicht alle Verbrecher sein, wenn wir hier heraus kommen?


Sonntag, 25. April


Diesen Monat gehen noch drei Transporte... Überall schreckliche Stimmung. Alles packt, bereitet sich vor, weil jeder damit rechnen muss wegzufahren....


Montag 8. Juni


Kirschen pflücken gegangen... Das Gefühl in der Krone eines Baumes sitzen zu dürfen, war wunderbar. Ich habe Mutti auch einige mitgebracht.


Mittwoch, 15. Juli


Mutti ist beim Kartoffelschälen mit Kartoffeln erwischt worden und kann nicht mehr hingehen.. Gott sei Dank bringe ich immer etwas nach Hause....


Juli/August


Jede Woche kommen zwei Transporte aus Prag... Ich arbeite manchmal bei den Gänsen, den Schafen, manchmal zu Hause... Ich melke täglich etwas Milch. Es ist wahnsinnig riskant, wenn es raus käme, wäre ich augenblicklich aus der Landwirtschaft draußen... Langsam gewöhnen wir uns an das Ghettoleben....


Dienstag, 15. September


... man richtet sich allgemein darauf ein, den Winter hier zu verbringen... In letzter Zeit habe ich mehr Selbstvertrauen. Ich schleuse die unglaublichsten Sachen, zum Beispiel herrliche Couchmatratzen.... Auf denen lässt es sich wie im Bett schlafen.. Ferner handle ich mit dem wenigen Gemüse, das ich habe. Ich tausche es gegen Margarine, Schuhe und anderes....


Mittwoch, 7. Oktober


Geschäfte werden eröffnet. Ganz Theresienstadt lacht. Die Auslagen sind voll der schönsten Sachen.... alles was anderen Leuten weggenommen wurde, wird hier ausgestellt....die Sachen (sind) wirklich zu kaufen, und zwar für Arbeitende, die Punkte bekommen werden.... Der ganze Einkauf (ist) ein schrecklicher Schwindel. Man muss nehmen, was man bekommt, wer Protektion hat, bekommt mehr und anständige Sachen (alles aus den gestohlenen Koffern), wer keine hat, bekommt Rübensaft, Lebkuchenpulver und anderen Unsinn... So eine Komödie!


Mittwoch, 15. Oktober „Erinnerung an die erste Begegnung mit Jan Košvanec“


Auf dem Feld, wo wir weideten, arbeitete auch ein Arier mit Frau und zwei Kindern, die vom ersten Tag an sehr nett zu mir waren. Gleich am zweiten Tag brachte der Mann mir Brot und Wurst, unterhielt sich mit mir über Politik...Am nächsten Tag brachte er mir ein größeres Stück Wurst... und ein kleines Glas richtigen Honig. Ich war selig..


Donnerstag, 17. Dezember 1942


Jetzt vor einem Jahr waren wir im Transport...Niemand hätte gedacht, dass wir in einem Jahr noch hier sind, und vielleicht sind wir im nächsten auch noch hier. Wir leben und das Leben geht weiter, wir essen und schlafen, unterhalten uns, lachen sogar manchmal, und es gleicht manchmal sogar dem normalen Leben. Wir merken es gar nicht, wie sehr wir uns schon daran gewöhnt haben.


Mittwoch, 30. Dezember


Der Weihnachtsabend ist vorüber gegangen ohne besondere Feier. Ich war in der Dresdner, wo sogar getrunken wurde...Von meinem Arier habe ich ein Paket bekommen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich möchte mich einerseits gerne mit ihm treffen. Es geht doch nicht, dass er mir und Eva Sachen ganz umsonst schickt, und möchte ihn auch gerne nach Prag schicken. Aber die, die mir die Sachen bringen, raten mir furchtbar ab, weil er sehr unvorsichtig ist... Als er hörte, dass ich eine kranke Freundin habe, schickte er ihr Butterhonig und Obst. Ist das nicht wunderbar! Mir schickte er bis jetzt dreihundert Zigaretten, 1 kg Honig, 4 kg Mehl, Gebäck, 1 kg Margarine, 1 kg Selchfleisch und Sacharin. Wenn man das jemanden erzählte, klingt es wie ein Märchen. Vollkommen umsonst, ohne Risiko für mich, bekomme ich die herrlichsten Sachen aufs Zimmer...


Sonntag, 10. Januar 1943


Der Schmutz und das Ungeziefer werden immer unerträglicher. Wir werden immer mehr zusammengepfercht, und Flöhe, Wanzen und Läuse nehmen täglich zu. Es ist einfach unmöglich, etwas dagegen zu unternehmen bei diesen Verhältnissen, wo ein Mensch auf dem anderen liegt.....In den Kasernen wird ...fast überall geheizt, aber in den Blocks erfrieren die Leute langsam, besonders auf den Böden. Wo überhaupt keine Heizmöglichkeit ist, wurden Leute bei zwanzig Grad Kälte mit Erfrierungen gefunden. Was ist das Resultat? Die Leute müssen in den Kasernen untergebracht werden, wo sie immer noch mehr zusammengepfercht werden. Die ganz natürliche Reaktion darauf sind eben Polentransporte, so schlimm es auch klingen mag, aber schlimmer als hier auf den Böden kann es in Polen auch nicht sein. Mehr als erfrieren können die Leute in Polen auch nicht....

Wann gehen wir nach Hause? Das ist das Schlagwort in Theresienstadt... aber gesetzt den Fall, dass wirklich Ende wäre, wie wird dieses Ende sein, wie wird der Sieg aussehen? Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, sogar unmöglich, dass wir dort wieder anfangen, wo wir aufgehört haben. Wo wollen wir eigentlich hin? Wo haben wir denn unsere Heimat? Was wird mit uns nach dem Krieg geschehen? Wer weiß, was mit Richard ist, ob er überhaupt noch an mich denkt. Für mich ist er gleichbedeutend mit Zukunft, aber wird er auch noch daran denken? Es ist alles schon so lange her. Ich möchte am liebsten nicht in Europa bleiben, ich möchte weit weg von hier. Europa wird nach dem Krieg schrecklich sein. Und falls es sich hält, wer garantiert mir, dass meine Kinder nach zwanzig Jahren nicht wieder in dasselbe Unglück gestürzt werden wie ich? Das möchte ich auf keinen Fall. Nach Palästina möchte ich auch nicht. Vielleicht nach Amerika...


Mittwoch, 27. Januar


Transporte, Transporte, nichts als Transporte nach Polen... Habe auch wieder von meinem Arier etwas bekommen, ... Er will mich sogar, falls ich nach Polen muss, verstecken und ich kann bis zum Kriegsende bei ihm bleiben. Ist das nicht unglaublich?


Mittwoch, 31. März


... Es gibt jeden Tag Konzerte, Vorträge, Theater, sogar eine Revue, und auf der anderen Seite sterben die deutschen Juden in den Blockhäusern Hungers.... Wenn alles so bleibt, halten wir persönlich es noch sehr lange aus. Alle sagen, ich sehe blendend aus...


Donnerstag, 13. Mai


Karel war jetzt zweimal hintereinander hier...ich sprach mit ihm durchs Fenster in der Dresdner Kaserne. Er war beide Male mit seiner Frau da und dem kleinen Sohn, der immer winkt... Drei herrliche Pakete bekommen.... Nie kann man diesen beiden Menschen vergessen, was sie für uns getan haben, und auf so wunderbare Weise. Ich hoffe, dass ich mich bei ihnen einmal werde revanchieren können....


Freitag, 14. Mai


... Wir bekommen jetzt Geld, gedrucktes Ghettogeld... Ich bin sehr neugierig, was man sich dafür wird kaufen können. Ich brauche dringend Schuhe, ganz gewöhnliche Holzschuhe....


Donnerstag, 20. Mai


... Die meisten Leute sagen, sie haben Theresienstadt satt, sie möchten nach Hause. Das ist sehr bequem, sie stellen sich das Zuhause wie einen Himmel vor, und doch sind dort auch nur Leute. Menschen wie hier... Das Schlimmste daran ist, dass auch ich mich eingefügt habe, ich werde dazu gezwungen. Mich ekelt das alles an... Gibt es denn überhaupt keine Ideale mehr?


Sonntag, 15. August


... (Mit dem Schleusen) ernähre ich momentan die ganze Familie, d.h. sieben Personen... Wenn ich das einmal erzähle, wird mir niemand glauben, wie wir alle täglich ... ausschauen. Meine Ausstattung besteht aus einem weiten Büstenhalter, Trainingshosen mit Gummi und einem weiten Rock, andere haben Hosen und Strümpfe oder Gummistiefel. Da wird hineingestopft, was nur möglich ist. Tomaten, Paprikaschoten, Äpfel, Birnen, Karotten, Kapuste und Kartoffeln. Mittags und abends gehen die schönsten Gestalten an den Gendarmen vorüber. Manche sind eckig, andere wieder rund, es ist ein Bild für die Götter... Sieht man mir etwas an? Fass mich mal an, glaubst du, dass ich so gehen kann?... Wenn nur nicht die Berušky dort sein werden. ..das sind Arierinnen aus Leitmeritz. Da nützt natürlich kein Verstecken...

Auch von Karel wieder etwas bekommen... aber jetzt ist Schluss... Er hat eine Familie mit drei Kindern und darf in nichts hineingeraten.... Es ist kaum zu glauben, dass es auf der Welt solche Menschen gibt, die nur dafür leben, um anderen zu helfen. Manchmal denke ich, ob Richard überhaupt noch an mich denkt, ob er nicht längst verheiratet ist... War nicht vielleicht das ganze Warten umsonst?...


Dienstag, 7. September


... Gestern waren alle Leute auf den Sammelstellen. Schleuse gab es diesmal keine.... Jeder konnte mitnehmen, was er tragen konnte... Die Leute saßen die ganze Nacht auf ihrem Gepäck... und gingen dann den ganzen Tag in Abständen zum Bahnhof.... In der Magdeburger haben sich unbeschreibliche Szenen abgespielt. Es ging darum, wer die besseren Nerven hat und wer es länger aushielt...Dabei ist es so einfach, jemanden aus dem Transport zu bekommen. Es wird einfach eine Karte aus dem Transport genommen und in die Evidenz gesteckt. Dafür muss natürlich jemand aus der Reserve an dessen Stelle. Es waren eine Menge Freiwillige dabei, meist Kinder, die sich zu den Eltern gemeldet haben. Das Schlimmste ist das Auseinanderreißen der Familien....


Montag, 13. September


... Die Deutschen sind hier todunglücklich.. Die Not unter den alten Deutschen ist unvorstellbar. Sie gehen den ganzen Tag von Zimmer zu Zimmer und betteln um ein Stück Brot.... (Ein Brief von Karel und eine schöne Armbanduhr), ich soll sie als Andenken nehmen, dass ich ihn nicht vergesse, und wenn es mir einmal schlecht geht, soll ich sie für Brot verkaufen. Aber er hofft, und was in seiner Macht steht, wird er tun, dass ich nie in eine solche Lage komme....Er hat eine Möglichkeit, uns aus dem Transport zu holen, ich soll aber mit niemandem darüber sprechen. Er wird alles aufwenden, um uns hier zu behalten....


Sonntag, 31. Oktober


... von Karel ständig Pakete. Seit Samstag ungefähr fünfzig Kilo....Karel rechnet jetzt schon mit dem Winter, und ich bin überzeugt, dass wir mit diesen Sachen den ganzen Winter bequem aushalten werden...


Sonntag, 7. November


... Roosevelt auf dem Weg nach Teheran...Wieder kursieren Nachrichten... wir fahren noch dieses Jahr nach Hause... Trotz all der guten Nachrichten ist die Stimmung hier sehr gereizt. Überall streiten sich die Leute...überall herrscht Protektion... Am Anfang hat mich das furchtbar aufgeregt, jetzt mache ich das Gleiche und könnte es mir gar nicht mehr anders vorstellen... Die Preise steigen ständig... Gemüse hat einen enormen Wert. Mit allem wird hier gehandelt, mit Badekarten, mit Wäsche, Waschbewilli-gung, mit Theaterkarten.


Februar 1944


... Mitte Feber begann auf einmal der Frost... Dann kam der Befehl: Es darf nicht mehr geheizt werden. Im Ghetto ist keine Kohle. Bis jetzt wurde bei uns fleißig geheizt... Jetzt wird nichts mehr gefasst und wir frieren. Mit dem bissel Holz, das wir schleusen, kann man sich nicht mal das Essen

aufwärmen... Es gibt auch keine Kartoffeln mehr... Ich habe jetzt wieder Lebensmittel in Hülle und Fülle, auch Schokolade. Noch zweimal haben wir uns in der Sokolovna getroffen, gingen von dort durch Theresienstadt spazieren, Karel wollte sich alles anschauen... er wollte Mutti kennenlernen, hat mit ihr gesprochen. Er setzt alles durch, was er will.


Donnerstag, 25. Mai 1944


Binnen einer Woche sollen 7000 Leute weggeschickt werden. Wer weiß, ob nicht jemand von uns darunter sein wird?... Abends traf ich Vati, er war ganz aufgeregt: „Du bist drin“. Ich war vollkommen ruhig....Mittags muss ich schon einrücken... wenn man mittendrin ist, ist man sich dessen gar nicht bewusst, viel schlimmer sind die dran, die diese Zweifel haben, und nicht wissen, was sie machen sollen. Vati...läuft von einem zum anderen und versucht, mich herauszubekommen....um fünf schreit er zu uns herauf: „Sie ist draußen“..... Die meisten jungen arbeitsfähigen Leute sind herausgekommen. Wer „Landwirtschaft“ sagte, war draußen....


Oktober 1944


Im Oktober ging unerbittlich ein Transport nach dem anderen nach Polen... Ich meldete mich freiwillig, kam bis zu Rahm und bat um Erlaubnis, mit meinen Eltern fahren zu dürfen, umsonst. So blieb ich verurteilt zum Leben und zu Theresienstadt. Ich war vollkommen vernichtet und apathisch.... ich hörte auf zu schreiben.

Karel Košvanec unterstützte mich weiter... (Er) bat mich, die Verbindung zu ihm aufrechtzuerhalten...

Und so wurde ich Zeuge seines Mutes und seines fast unheimlichen Instinktes für alle möglichen Gefahren.... Karel war fähig, jeden Schatten, jede dunkle Stelle auszunützen, lange und lautlos auf allen vieren zu kriechen, stundenlang oft nur einige Meter vor dem Stacheldraht bewegungslos zu liegen, jede Spur im Schnee hinter sich zu verwischen. Wenn er endlich kam, oft erst gegen zwei Uhr nachts, brachte er einen fünfzig Kilo schweren Sack, ein Paket für mich und einen Brief. Von mir nahm er ein Paket mit Gold und Geld, sagte einige kurze Worte... und verschwand im Dunkeln. Ich schleppte dann den Sack zur Sokolovna... Dort wurde der Inhalt in kleine Pakete sortiert und am nächsten Tag unauffällig den Empfängern überbracht...Für mich war es ein enervierendes Doppelleben. Am Tage Arbeiterin in der Landwirtschaft, in der Nacht die Treffen mit Karel. Ich tat dies... aus Dankbarkeit Karel gegenüber und weil mir wirklich am Leben nicht mehr lag.... Mein Tagebuch... war eine bloße Registrierung der Ereignisse der letzten Tage...


Januar 1945


Zwei Transporte aus der Slowakei, Frauen und Kinder halb erfroren.

Große Affäre. Eine Menge Zigaretten wurden gefunden. Ausgangssperre, Licht- und Heizsperre...

Die Arier haben sich gefunden, es sind SS...


Februar 1945


Die Russen sollen vor Berlin sein. !000 Leute sollen angeblich in die Schweiz fahren...

Prager Transport gekommen. Ich habe die Einberufung bekommen, ich lehnte ab, es ist scheinbar freiwillig...

Wieder Karel. Es ist schrecklich, in der Nacht immer mit dem schweren Gepäck durch ganz Theresienstadt zu gehen und immer das Problem, „wohin damit?“.

Täglich Transporte aus Deutschland, alle Mischehen werden getrennt... Ohne Sterne, privilegierte Ehen.

Reichenberg und Dresden evakuiert. Täglich Ströme von Flüchtlingen zu Fuß, mit Wagen, Autos und Bahn durch Theresienstadt, in schlimmem Zustand.

Die Prager fühlen sich, als wenn sie etwas Besseres wären, und sind hier furchtbar unzufrieden, nichts ist ihnen recht und sie bedauern sich schrecklich.


März 1945


Transporte aus der Slowakei, aus Ungarn, man hört hier alle möglichen Sprachen, am wenigsten Tschechisch.

Eine ärztliche Kommission wird erwartet.

Es wurde viel Milch geschleust...

Leichen werden jetzt nur mehr begraben und nicht verbrannt.

Verschönerung... Herrliche Auslagen, Kommandantur für jüdische Kanzleien eingerichtet...


April 1945


In die Kommission wurden viele Hoffnungen gelegt... nichts hat sich bewahrheitet... Alle Rucksäcke müssen abgeliefert werden. Natürlich geben wir nichts.

Von hier aus schon zehn Leute durchgebrannt.

Alle Dänen fahren nach Schweden....

Große russische und amerikanische Offensive vor Berlin,... Wien in russischen Händen...Die Deutschen bereiten sich zum Abmarsch vor, alle Papiere werden verbrannt, alle Vorräte und wertvollen Sachen weggeschafft...

Großer Transport gekommen, 2000 Männer und Frauen aus allen mögliche Konzentrationslagern, in entsetzlichem Zustand, fürchterlich anzuschauen...die meisten mussten getragen werden, erzählen grauenhafte Sachen.

Täglich kommen Hunderte von Männern und Frauen... meist zu Fuß... Alle haben Fieber, Durchfall..., sind vollkommen verlaust, alle typhusverdächtig. Fast alle kommen aus Birkenau und erzählen die unglaublichsten Sachen...


Mai 1945


Die letzten Kämpfe um Berlin...


Freitag, 4. Mai 1945: Ist es möglich, dass wirklich Schluss ist? Einfach unglaublich. Die Deutschen sind angeblich schon weg von hier, niemand weiß etwas - verrückte Stimmung, alles in Erwartung...



Samstag, 5. Mai 1945


Schluss! Konec!

 

© Auswahl: Katja Schickel/www.letnapark-prager-kleine-seiten



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